Beschreibungen der Workshops (Do/Fr und So) 2018-01-02T11:15:48+00:00

Beschreibungen der Workshops am Do/Fr und So

Die Workshops Donnerstag/Freitag

Workshop 1:
Bewegte Familienrekonstruktion
Susanne Bender

Verhaltensweisen und Empfindungen, die die Lebendigkeit und Freude eines Menschen erheblich stören, lassen sich häufig auf familiengeschichtliche Ereignisse, Aufträge, Regeln, Mythen, Rituale oder auch Traumata zurückführen.
Auf der Basis des Genogramms – einer Art Stammbaum – werden TeilnehmerInnen aus der Gruppe als Stellvertreter für Familienmitglieder zueinander aufgestellt. Diese Repräsentanten bekommen Körperempfindungen und Bewegungsimpulse, denen sie meist mit Musik nachgehen können und die wichtige Rückschlüsse auf das Familiensystem geben. Während in der klassischen Methode nur über diese Empfindungen gesprochen wird, kommt so das ganze System in Bewegung und zeigt potenzielle Neuorientierungen an. Durch den Ausdruck von Trauer, Wut, Langeweile, Erotik, Spaß usw. können die Repräsentanten genaue Informationen über das Familienmitglied geben. Die Familiengeschichten werden deutlich und für die zukünftige Lebensgestaltung umgedeutet. Auf diese Weise finden wir einen Zugang zu Stärken, Talenten und Kraftquellen und erkennen, wo die Familie uns nicht nur behindert, sondern wozu sie uns auch befähigt hat.

Workshop 2:
Digital Storytelling und fiktive Biografie – Realität und Fiktion begegnen sich in einem künstlerischen Prozess
Barbara Feldhoff & Till Stauffer

Digital Storytelling: In diesem Workshop werden die Teilnehmenden über eine geführte Meditation an Stationen ihrer Biografie geführt und teilen diese im Anschluss der Gruppe mit. Dabei kristallisiert sich ein Thema heraus, das in der Digital Story durch Bilder (Fotografien, die während des Workshops gemacht werden), Musik und Sprache im Computer zu einem Videoclip zusammengefügt wird. Persönliche Themen werden hier über den künstlerischen Prozess zum Ausdruck gebracht und eine andere Betrachtungsweise kann entstehen. Technische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Fiktive Biografie: In dieser von Till Stauffer entwickelten Methode der Biografiearbeit werden biografische und entwicklungspsychologische Aspekte im künstlerischen Kontext er- und bearbeitet. Dieser Ansatz erzeugt eine besondere Tiefe in der individuellen Auseinandersetzung mit Lebensabschnitten und den damit einhergehenden psychologischen Entwicklungen.
Das Ergebnis beider Workshops wird in einer Performance zusammengefügt.Beide Workshops laufen parallel und werden am zweiten Tag getauscht. Dieses Konzept wird seit 4 Jahren mit Hauptschüler*innen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund durchgeführt.

Workshop 3:
Voices of My Self // Stimmen meines Selbst
Ellen Foyn Bruun

Bei diesem Workshop geht es um auto-ethnographisches Theater und Performance, die auf autobiografischem Material basieren. Wir werden uns gelebter Erfahrung und persönlichen Geschichten mit verschiedenen theaterbasierten Übungen annähern, die die Stimme und den vokalen Ausdruck einbeziehen. Die Teilnehmenden werden eingeladen, die vielfältigen inneren und äußeren Stimmen zu erkunden, die das einzigartige individuelle Selbst bilden und sich mit ihnen zu verbinden: „Heart and Soul in your Voice“!

Workshop 4:
Arbeit an der KOLLEKTIVEN Biografie: Das Unzerstörbare im Zentrum
Hua Cuo (Hwatso) & Ingrid Lutz

Dieser Workshop ist ein Experiment und einem besonderen Thema gewidmet: ein Versuch, die sehr alte tibetische Tradition des universalen Symbols der Swastika als Ausdruck von unzerstörbarer Harmonie und Wohlergehen zu kontrastieren mit der destruktiven Wirkung, die die kurze Zeit des Naziterrors im individuellen und kollektiven Unterbewussten unserer westlichen Welt bis heute entfaltet und die dieses Symbol „vergiftet“ hat. Hwatso kommt aus einer Kultur, die davon freier ist – erst in diesem Kontrast kann vielleicht deutlich werden, wie stark dieses „Gift“ bei uns immer noch wirkt. Sie verknüpft modernen Tanz und Tanztherapie mit Elementen aus ihrer tibetischen Tradition, wie rituellen tibetischen Tänzen und atemfokussierter Meditation. Ingrid Lutz wird mithilfe von Familien- und Kollektivinszenierungen versuchen, diese mehr oder weniger verdrängten destruktiven Wirkungen dieses Teils der kollektiven Biografie „ans Licht“ und in Bewegung zu bringen. Die künstlerische Gestaltung erlaubt, ja erfordert seit jeher die Konfrontation mit gesellschaftlichen Tabus.  Das wollen wir hier auch therapeutisch nutzbar machen und haben die Hoffnung, damit Erstarrung und Fixierung zu lösen, wieder eine breitere Palette an Handlungs- und Denkmöglichkeiten verfügbar zu machen, quasi dem Leben zurückzugeben und so im weitesten Sinne „Heil“ung zu ermöglichen.

Workshop 5:
Autobiographisch-Therapeutische Performance als ‚Übergangsritus‘
Susana Pendzik & Armand Volkas

Theatertherapie beinhaltet immer eine Hin- und Rückreise vom Selbst zur Rolle, vom Leben zur Bühne, von der Biographie zu Geschichten. Dieser Prozess erfordert jedoch eine weitere Dimension, wenn wir auf eine Performance hinarbeiten, die auf autobiografischem Material basiert. Das ist sowohl für die TherapeutIn als auch für den Klienten eine ganz besondere Herausforderung. Sie begeben sich auf ein gemeinsames Abenteuer, in dem sie sich mit ästhetischen und therapeutischen Dilemmata auseinandersetzen, Prozess wie Produkt im Auge behalten und darüber hinaus mit der Tatsache umgehen müssen, dass der Höhepunkt dieses Prozesses ein intensives Ereignis ist, das überwältigende Emotionen auslösen kann.
Dieser Workshop nutzt das von Arnold van Gennep und Victor Turner entwickelte Konzept des ‚Übergangsritus‘ als eine Metapher, die den Prozess leitet und eine helfende Struktur bietet, um den therapeutischen Fokus sowohl für den Therapeuten/Regisseur als auch für die Klientin/Performerin zu bewahren. Die heilende Kraft dieser Übergangsstruktur leitet sich sicher zum Teil von der archetypischen Schicht ab, in die sie greift, und die die Rollen von Therapeut*in und Klient*in in einem anderen Licht definiert und eine Landkarte für die Reise anbietet. Das Finden und Anwenden dieser Leitmetapher ist das Ergebnis jahrelanger intensiver Forschung durch die Workshopleiter. Mit einer Vielzahl von Techniken wie verkörperte Bilder, kreatives Ritual, Playback-Theater, Dramatic Resonances usw. werden die Teilnehmenden persönliche Erfahrungen erkunden, mit den Rollen von Therapeutin/Regisseurin und des Klient/Performer experimentieren und dabei kurze autobiographisch-therapeutische Performances entwickeln.

Workshop 6:
„I have something important to say“: Ethnodrama und Ethnotheater als theatertherapeutische Methoden zur Erforschung und dem Teilen von persönlichen Geschichten
Nisha Sajnani

Dieser Workshop wird die Teilnehmenden in Ethnodrama und Ethnotheater einführen – als theatertherapeutische Methoden, die das Theatralisieren von Daten in Form eines dramatischen Skriptes und dessen öffentliches Präsentieren in einer Performance beinhalten. Wir werden Schlüsselbegriffe definieren und diskutieren, worin sich diese Praktiken von wortgetreuem und von dokumentarischem Theater ähneln oder unterscheiden. Wir werden auch diskutieren, wie dieser Ansatz zur verkörperten und performten Forschung in der Theatertherapie benutzt werden kann, auch als Mittel, um die Kluft zwischen Forschung und Praxis zu überbrücken. Die Teilnehmenden werden ein ethnodramatisches Skript entwerfen, aus dem Auszüge am Samstag vor der Gesamtkonferenz aufgeführt werden.

Workshop 7:
Wenn Erinnerungen zu (be-)greifbaren Bildern werden: in Räumen der Erinnerung und Zuhause
Constanze Schulze

Bildnerisch-künstlerisches Gestalten unterstützt in hohem Maße die Aktivierung und Transformation von Erinnerungen. Sowohl in der bildenden Kunst als auch in der Kunsttherapie ist die Aufmerksamkeit auf Phänomene, aber auch auf Fragen des Erinnerns ungebrochen. Der gestalterische Umgang mit Erinnerungsbildern im künstlerischen Tun und zugleich die daraus folgenden Veränderungen für das Erinnern oder einzelne Erinnerungen, sind hierbei zentrale zirkuläre Fragestellungen.  
Der Workshop will dazu einladen, sich anhand ausgewählter Methoden und Verfahren aktiv mit dem Potenzial des bildnerisch-künstlerischen Gestaltens zur metaphorischen Bearbeitung von Erinnerungen auseinanderzusetzen. Besonders fokussiert wird dabei auf die faszinierenden Spannungsfelder zwischen individueller und kollektiver bzw. kommunikativer Erinnerung bezogen auf das Thema „in Räumen der Erinnerung und Zuhause“.

Workshop 8:
The strength of unassailable us // Die Kraft des unverletzbaren WIR
Anna Seymour

Der Titel dieses Workshops entstammt einem Gedicht von Lemn Sissay, der in Pflegefamilien und Kinderheimen aufgewachsen ist und dem ein anderer Namen gegeben wurde, als er als Baby seiner äthiopischen Mutter weggenommen wurde. Er verließ mit 15 Jahren die Schule, sollte jedoch 2015 zum Kanzler der Universität von Manchester im Norden Englands ernannt werden. Seine Geschichte erzählt sich in seinen Gedichten und Performances, die auch Geschichten anderer ‚verwaister Kinder‘ beinhalten, von Harry Potter bis Wolverine. Durchgängig bei diesen Geschichten ist eine Suche nach ‚Familie‘. Wir beginnen alle ‚irgendwo‘, die Biographie jeder Person ist voller verwickelter Details, was uns einzigartig sein läßt, aber auch einen Teil der Suche ausmacht nach etwas, das wir ‚Wir‘ nennen.
Dieser Workshop nutzt literarische und theatrale Quellen, um zu erforschen, wie unsere Verbundenheit mit den Biographien anderer Menschen uns auf unserer Lebensreise stärken kann.

 

 

Die Workshops am Sonntag

Workshop I:
The Use of Rasaboxes in Therapeutic Biographical Performance // Der Einsatz der „Rasaboxen“ in der therapeutisch-biographischen Performance
Nisha Sajnani

Rasa, ein Ausdruck, der als emotionale Essenz übersetzt werden kann, ist zentral im indischen kulturellen Ausdruck und für das indische Theater. In diesem Workshop werden Teilnehmende in das Konzept von Rasa und die Praxis von Rasaboxen eingeführt, die als Struktur zur Erforschung emotionaler Zustände verwendet werden können, zur Unterstützung emotionaler Regulation und als Mittel zur Entwicklung und Bearbeitung von Texten in therapeutisch-biographischen Performances.

Workshop II:
Telling other peoples’ stories // Die Geschichten Anderer erzählen
Anna Seymour

Eine Biografie ist ‚ein Bericht über das Leben von jemandem, geschrieben/erzählt von jemand anderem‘. Das ist es auch, was in Theaterstücken geschieht und was wir tun, wenn wir das Erzählen einer Geschichte in den den ästhetischen Rahmen einer ‚Aufführung‘ oder ‚Performance‘ setzen. Selbst wenn es um unsere eigene Geschichte geht, versuchen wir, eine ästhetische Distanz zu schaffen, um dieses Gefühl der ‚Andersheit‘ zu erzeugen, das erst die Erforschung dessen ermöglicht, wie die Geschichte erzählt wird.
Fragen der Repräsentation sind jedoch problematisch – wer kann was an wessen Stelle sagen?/ wem gehört die Geschichte? Dieser Workshop wird  diese und andere Themen ums ‚Erzählen‘ und Präsentieren, über die Verwendung von dramatischen Texten und verkörperten Prozessen …. untersuchen.

Workshop III:
Waking Dream Theatre: Spontane autobiographische Performance – Erforschung einer kollektiven Traumwelt durch Theater
Armand Volkas

Im Waking Dream Theatre wird eine Reihe von Schauspieltechniken erlernt und verfeinert, die es ermöglichen, über Theaterimprovisationen mit Traumbildern zu interagieren, die aus unserem Unterbewusstsein emportauchen. Die Teilnehmenden werden eingeladen, kreative Risiken einzugehen, ermutigt durch eine unterstützende Gruppe und den Leiter.
Die Gruppe wird gemeinsam eine kollektive Traumwelt gestalten, in die persönliche Geschichten, aktuelle Herausforderungen des Lebens und kreativer Ausdruck einfließen. Waking Dream Theatre ist gleichzeitig ein bedeutungsvolles Tun und eine performative Kunst. Die Teilnehmenden können sich selbst entdecken und sich vor Zeugen offenbaren. Waking Dream Theatre kann tiefe Einsichten wecken und dabei poetisch und spielerisch bleiben. Der Workshop wird in einer „Waking Dream Jam Session“ gipfeln, die die erlernten Formen mit Musik, Bewegung, Improvisation in einem kreativen Ritual integriert.