Curriculum der berufsbegleitenden Weiterbildung in Theatertherapie 2023 – 2027

(Berlin IX)

Die Weiterbildung zur Theatertherapeut*in in Berlin wird in Kooperation mit der Kath. Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) durchgeführt und von ihr zertifiziert.

Die Theatertherapie ist eine künstlerische Therapieform, die seit über 50 Jahren in den USA, England und den Niederlanden fest etabliert ist, zunehmend auch im deutschen Raum. Sie stellt eine fruchtbare Verbindung zwischen der ursprünglichen Heilfunktion des Theaters und Verfahren moderner Psychotherapien her. Als künstlerische Therapie legt sie ihren Fokus auf kreative Prozesse, bei denen Zugänge zu vorhandenen Ressourcen gesucht werden. Gegenwartsbezogene und handlungsorientierte Aspekte sowie die therapeutische Beziehung stehen im Vordergrund.

Die Weiterbildung vermittelt die Anwendung theatertherapeutischer Verfahren auf der Basis eines systemischen Grundverständnisses in klinischen sowie psychosozialen Arbeitsfeldern, in der Arbeit mit Organisationen im sozialen sowie im gesellschaftlichen Umfeld, in körpertherapeutischen und performativen Prozessen und umfasst die Einzel- wie auch Gruppentherapie.

 

ZIELGRUPPE
Diese berufsbegleitende Weiterbildung richtet sich an Menschen, die in heilenden, künstlerischen und pädagogischen Berufsfeldern oder in der Organisations- und Personalentwicklung tätig sind und die vielfältigen Ressourcen des Mediums Theater in ihren Arbeitsbereichen therapeutisch anwenden wollen, z.B. Ärzt*innen, Therapeut*innen, Sozialpädagog*innen, Schauspieler*innen, Alten-/Gesundheitspfleger*innen, im Management Tätige u.a.

 

ARBEITSFELDER
Theatertherapie kann in klinischen und psychosozialen Feldern als Einzel-, Paar- und Gruppentherapie angewandt werden. 
Theatertherapeut*innen arbeiten z. B. in

  • psychiatrischen/psychosomatischen/psychotherapeutischen Kliniken und Einrichtungen
  • Suchteinrichtungen
  • ambulanten und stationären Einrichtungen der Jugendhilfe
  • in Projekten und Einrichtungen für Geflüchtete, Migranten, Traumatisierte u.a.
  • Schulprojekten und Brennpunktschulen
  • Justizvollzugsanstalten und Bewährungshilfe
  • Frauenhäusern
  • Beratungsstellen
  • Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe
  • Hospizen
  • den Bereichen Coaching, Teambildung, Organisations- und Managementberatung
  • in freier Praxis

 

TEILNAHMEVORAUSSETZUNG

  • Mindestalter 25 Jahre
  • abgeschlossene Berufsausbildung/Studium und Berufserfahrung
  • mind. 60 Stunden Eigentherapie (können z. T. während der Ausbildungszeit absolviert werden)
  • Teilnahme an einem der Zulassungsseminare

 

ZIELE DER WEITERBILDUNG
Die TeilnehmerInnen werden dazu befähigt, mit unterschiedlichen Zielgruppen in psycho- und soziotherapeutischen Arbeitsfeldern theatrale Medien als künstlerische Therapiemethode sowohl für Einzelne als auch für Gruppen einzusetzen. Dazu erwerben sie:

  • Elemente des künstlerischen Theater-»Handwerks« in ihrer Anwendung für therapeutische Ziele: Körper-, Atem-, Stimm- und Textarbeit, Szenen- und Rollengestaltung, Inszenierung/Regie
  • Grundlagen des psychotherapeutischen »Handwerks«: Entwicklungs- und Heilungsmodelle, Störungsbilder/Psychopathologie, Diagnostik, Interventionstechniken/Krisenintervention, Gruppendynamik, therapeutische Beziehung und Haltung
  • Theatertherapeutische Methoden und ihre Indikation: Analyse von Körper- und Symbolsprache, Rollendiagnostik, theatertherapeutische Prozessbegleitung und biographisch zentrierte Szenenarbeit, theatrale Intervention, Arbeit mit Ritualen und imaginativen Verfahren
  • Theatertherapeutische Ansätze zur Erprobung sowie Erschließung neuer Perspektiven. zur Förderung von Flexibilität und Anpassungsfähigkeit in der Balance von individueller Autonomie und Einbindung in Systemstrukturen.
  • Besonders wichtig ist es uns, in der Theatertherapie eine Begegnung mit existentiellen Themen des Menschseins im nicht-alltäglichen Raum zu ermöglichen als Basis zur individuellen und kollektiven Sinngebung.
  • Die Entwicklung einer therapeutischen Haltung, die dazu befähigt, innere Prozesse bei sich und anderen mit Achtsamkeit wahrzunehmen, zu reflektieren und entwicklungsfördernd zu nutzen.

 

 

STRUKTUR DER WEITERBILDUNG
Die Theatertherapie ist eine hochwirksame Therapieform, die über körper- und imaginationsaktivierende Methoden direkten Zugang zu unbewussten und oft frühen vorsprachlichen Themen ermöglicht. Dieses Instrument bedarf – verantwortlich angewandt – einer sehr gründlichen Ausbildung und eines gut begleiteten Entwicklungsprozesses des/der angehenden Theatertherapeut*in, der auch die Auseinandersetzung mit existentiellen persönlichen und kollektiven Themen beinhaltet.

Wir bieten unsere berufsbegleitende Weiterbildung als 4-jährige Ausbildung an und richten uns damit nach den Vorgaben der BAG-KT, dem Zusammenschluss der Berufsverbände Künstlerischer Therapien in Deutschland. Die BAG-KT setzt sich für die Etablierung der Künstlerischen Therapie im deutschen Gesundheitswesen ein und erstellt dafür Richtlinien zur Qualitätssicherung, die für alle Künstlerischen Therapien – Kunst-, Musik, Tanz- und Theatertherapie – eine mind. 4-jährige Ausbildung mit einer Mindestzahl an Unterrichts- und Supervisionsstunden vorsieht.

Unsere 4-jährige Weiterbildung umfasst 1.200 UE mit einem Gesamt-Workload von 3.175 Stunden, bestehend aus:

  • insgesamt 18 Ausbildungsmodulen während der ersten drei Weiterbildungsphasen,
    – von denen eins in der jährlich von der DGfT durchgeführten Sommerakademie, einem 4-tägigen internationalen Symposium zu aktuellen Theatertherapieansätzen in Theorie/Forschung und Praxis, besteht
    – von denen das vorletzte Modul ein Assessment als Zulassung zur Anwendungsphase ist
  • einer Anwendungsphase im vierten Jahr in einem selbstgewählten Praxisfeld, bei dem das Gelernte in einem theatertherapeutischen Projekt angewandt wird, unter fachsupervisorischer Begleitung (3 Weiterbildungswochenenden + 40 Std. Einzel-/Gruppensupervision)
  • selbstorganisierten regionalen Lern- und Intervisionsgruppen
  • einem Praktikum in einem künstlerischen oder therapeutischen Arbeitsfeld
  • einem Assessment als Zulassung zur Praxisphase

 

 

INHALTE DER WEITERBILDUNG UND TERMINE 

Zulassungsseminar

Das Zulassungsseminar bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, die Arbeitsweise der Theatertherapie kennenzulernen, um entscheiden zu können, ob diese Weiterbildung passend für sie ist. Den Dozierenden dient das Zulassungswochenende dazu, die Teilnehmenden bei der Arbeit kennenzulernen, um ihnen dann Rückmeldung geben zu können, ob sie ihrerseits eine Teilnahme an der Weiterbildung für sinnvoll erachten. Dazu ist vor allem die Klärung der Motivation wichtig und die Bereitschaft und Fähigkeit, sich auf therapeutische Prozesse und das Medium Theater einzulassen.

Wir bieten vier Termine als Zulassungstermine an, die jeweils von 10 – 18 Uhr stattfinden:

  • 5. Mai 2023 (Freitag)
  • 6. Mai 2023 (Samstag)
  • 7. Mai 2023 (Sonntag)

 

Termine und Themen der Module:

Die Module beginnen jeweils am Mittwoch um 18 Uhr und enden am Sonntag um 14 Uhr.
Arbeitszeiten: Mi 18 – 21:30 Uhr, Do & Fr 10 – ca. 20 Uhr, Sa 10 – ca. 21 Uhr, So 10 – 14 Uhr

1. Basisphase
Theater als kollektives Erfahrungs- und Ausdrucksmedium und theatertherapeutische Selbsterfahrung
Die Basisphase der Weiterbildung dient der Eigenerfahrung von bewegungs- und theatertherapeutischen Methoden und der Erarbeitung der grundlegenden Theorieansätze

Modul 1  11. – 15.10.2023
Basiskonzepte der Theatertherapie: „Die Welt ist eine Bühne“ – Theater als Kartographie des inneren Raumes
Die Bühne als therapeutischen Raum etablieren und erfahrbar werden lassen

Modul 2  06. – 10.12.2023
Grundlagen theatertherapeutischen Arbeitens I:
Der Körper als Ausdrucks- und Prozessmedium in der Theatertherapie

Modul 3      13. – 17.03.2024
Grundlagen theatertherapeutischen Arbeitens II:
Chaos und Ordnung, Ritual und Heilung

Modul 4      08. – 12.05.2024
Künstlerische Gestaltung und Aufführungsentwicklung als therapeutischer Prozess

Modul 5      10. – 14.07.2024
Bindung und Spiel als Grundlagen menschlicher Entwicklung

Modul 6      25. – 29.09.2024
Systemische Ansätze in der Theatertherapie 

 

2. Vertiefungsphase:
Theatertherapeutische Prozessgestaltung
Die Vertiefungsphase ist der Anwendung der Theatertherapie zur Gestaltung und Steuerung von therapeutischen Prozessen bei verschiedenen Symptombildern und Zielgruppen gewidmet.

Modul 7  04. – 08.12.2024
Grundlagen und Gestaltung von Veränderungsprozessen – Symbolbildung vs. Symptombildung – Verständnis von Psychosomatik in der Theatertherapie

 Modul 8  05. – 09.02.2025
Therapeutische Haltung und Identität – Heilungsmodelle und die Rolle des/der Therapeut*in

Modul 9  02. – 06.04.2025
Theatertherapeutische Prozessgestaltung bei den Symptombildern „Depression, Angst, Zwang“

Modul 10  Juni/Juli 2025 (der genaue Termin steht noch nicht fest)
Int. Sommerakademie zu verschiedenen aktuellen Themen der Theatertherapie mit internationalen Fachdozenten

Modul 11  17. – 21.09.2025
Theatertherapeutische Prozessgestaltung bei den Symptombildern Trauma und Sucht

Modul 12   26. – 30.11.2025
Theatertherapeutische Prozessgestaltung bei den Symptombildern Persönlichkeitsstörungen, Borderline u. a., Krisenintervention 

Modul 13    28.01. – 01.02.2026
Theatertherapie in der Einzeltherapie und mit spezifischen Zielgruppen

 

3. Transferphase:
Die Transferphase dient der Entwicklung der persönlichen Identität als Theatertherapeut*in und der kontinuierlichen Reflexion des eigenen therapeutischen Handelns, der therapeutischen Haltung und der persönlichen Übertragungsmuster

Modul 14  25. – 29.03.2026
Therapieplanung, Assessment und Forschung in der Theatertherapie: Reflexion und Evaluation therapeutischen Handelns

Modul 15  17. – 21.06.2026
Anwendungsorientierte Supervision – Verhaltens- und Übertragungsmuster in Krisensituationen

Modul 16  02. – 06.09.2026
Berufsimplementierung I: Persönliches Profil und Visionsentwicklung als Theatertherapeut*in

Modul 17  04. – 08.11.2026
Abschlusskolloquium/Assessment

In diesem Assessment leiten die Teilnehmer*innen einen Ausschnitt eines fiktiven theatertherapeutischen Prozesses. Sie begründen und reflektieren diesen in einem anschließenden Gespräch im Hinblick auf die therapeutische Prozessgestaltung, die persönliche Haltung als Theatertherapeut*in sowie den theoretischen Hintergrund. Das Assessment dient der Zulassung zur Praxisphase der Ausbildung.

Modul 18   13. – 17.01.2027
Berufsimplementierung II: Möglichkeiten für den theatertherapeutischen Berufseinstieg, juristische Rahmenbedingungen und Berufsethik.
In diesem Modul werden folgende Themen bearbeitet:

  • berufliche Möglichkeiten und deren Erkundung
  • Gestaltung von Bewerbungsprozessen
  • Persönliches Berufsprofil und dessen Kommunikation
  • individuelle und institutionelle Möglichkeiten und Grenzen der theatertherapeutischen Arbeit
  • Anwendung theatertherapeutischer Methoden in unterschiedlichen Arbeitsfeldern und Zielgruppen

 

4. Begleitete Anwendungsphase im Praxisfeld

Im Zentrum der Anwendungsphase steht die eigenständige Durchführung eines theatertherapeutischen Prozesses in einem selbst gewählten Praxisfeld unter supervisorischer Begleitung und die anschließende Dokumentation sowie Reflexion dieser praktischen Erfahrungen in der Abschlussarbeit.

Die drei Weiterbildungswochenenden mit der Gesamtgruppe (Modul 19) dienen der fachsupervisorischen Begleitung und Unterstützung der Weiterbildungsteilnehmer*innen bei ihrer Erprobung der individuellen therapeutischen Arbeit im Praxisfeld sowie der beruflichen Implementierung.

  • Vertiefung der Methodensicherheit und Identitätsbildung als Theatertherapeut*in
  • Auftragsklärung, Zielvereinbarungen und Dokumentation
  • Fallsupervision mit besonderem Augenmerk auf Übertragungsphänomene
  • Umgang mit Selbstfürsorge und Stärkung persönlicher Ressourcen

WE 1  14. – 16.05.2027
WE 2  08. – 10.10.2027
WE 3  03. – 05.12.2027

Die Wochenenden starten am Freitagabend um 18 Uhr mit einer Intervisions-Einheit. Die von den Dozent*innen begleitete Arbeitsphase beginnt am Samstag um 10 Uhr und endet am Sonntag um 15 Uhr.

Die Termine der 40 Stunden Einzel-/Kleingruppensupervision werden von den Weiterbildungsteilnehmenden individuell mit den Lehrsupervisor*innen vereinbart und sind nicht Bestandteil der Weiterbildungsmodule.

 

ABSCHLUSS
Die Ausbildung wird abgeschlossen mit

  • dem Nachweis der erbrachten Weiterbildungsleistungen durch das Studienbuch
  • einer schriftlichen Dokumentation und Reflexion zum Praxisfeld im Rahmen der Anwendungsphase, die von 2 Dozent*innen beurteilt und abgenommen wird.

Die Teilnehmer*innen erhalten ein Zertifikat von KH Berlin/DGfT/ITT, das den Abschluss als Künstlerischer Therapeut/Künstlerische Therapeutin/Theatertherapie bescheinigt und zur selbstständigen Anwendung von Theatertherapie für Einzelne und für Gruppen berechtigt.

 

KOSTEN

  • 9.900,- € insg. für 4 Jahre (ohne Unterkunft und Verpflegung), zahlbar in vierteljährlichen Raten. Die Kosten für die drei Wochenenden der Praxisphase sind darin enthalten, nicht die Einzel- und Gruppensupervisionen der Praxisfeldbegleitung (dafür sind zusätzlich insgesamt mindestens 600 € zu veranschlagen)
  • 200 € Zulassungsseminar
  • 250 € für das Abschluss-Assessment zum Abschluss der Transferphase
  • 300 € Betreuung der Abschlussdokumentation durch 2 Dozent*innen

Nicht enthalten sind die Kosten für Einzel- bzw. Gruppensupervision in der Praxisfeldbegleitung, die mit den jeweiligen Lehrsupervisor*innen extra abgerechnet werden, sowie eventuell anfallende Kosten für therapeutische Selbsterfahrung, Unterkunft und Verpflegung.

 

VERANSTALTUNGSORT
Europäisches Theaterinstitut (ETI)
Rungestr. 20
10179 Berlin
(ausgenommen die zwei Sommerakademie)

 

GESAMTLEITUNG
Franca Casabonne und Wilhelm Seidel

 

LEITUNGSTEAM
Bettina Stoltenhoff-Erdmann
Daniela Debald
Ilil Land Boss
Ingrid Lutz
Jakob Heydemann
Maren Schlüter
Nora Heil
und ggf. Fachdozent*innen für spezifische Inhalte

 

INFORMATION UND ANMELDUNG
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Referat Weiterbildung
Köpenicker Allee 39 – 57
10318 Berlin

Margit Wagner, Tel. 030 50101047
Email: margit.wagner@khsb-berlin.de
Link zum Anmeldeformular: www.khsb-berlin.de

Zu inhaltlichen Fragen:
Franca Casabonne, Mobil: 0177 3616767, E-Mail: casabonne@theatertherapie.org
Wilhelm Seidel, Mobil: 0173 9220234, E-Mail: seidel@theatertherapie.org