Curriculum der berufsbegleitenden Weiterbildung in Theatertherapie 2025 – 2029

(Köln VIII)

Die Weiterbildung zur/zum Theatertherapeut*in wird über das Institut für Theatertherapie (ITT) der Deutschen Gesellschaft für Theatertherapie (DGfT) mit der HfWU Akademie e.V. der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen durchgeführt und von der HfWU Akademie mit einem Abschluss als Künstlerischer Therapeut bzw. Künstlerische Therapeutin/Theatertherapie zertifiziert.

Die Theatertherapie ist eine der vier künstlerischen Therapieformen (neben Musik-, Tanz- und Kunsttherapie) und findet Anwendung in den verschiedensten sozialen Arbeitsfeldern, dem Gesundheitswesen und in Management/Coaching und Teambildung. Über die handlungsorientierte Anwendung künstlerischer Medien und Prozesse stellt sie eine fruchtbare Verbindung zwischen der ursprünglichen Heilfunktion des Theaters und den Verfahren moderner Psycho- und Sozialtherapien her. Als künstlerische Therapie legt sie ihren Fokus auf kreative Prozesse, bei dem Zugänge zu vorhandenen Ressourcen gesucht werden. Gegenwartsbezogene und handlungsorientierte Aspekte sowie die therapeutische Beziehung stehen im Vordergrund.

Die Weiterbildung am Standort Nordrhein-Westfalen hat ihren Schwerpunkt in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in klinischen und psychosozialen Arbeitsfeldern auf der Basis eines systemischen Grundverständnisses.

ZIELGRUPPE
Diese berufsbegleitende Weiterbildung richtet sich an Menschen, die in heilenden, künstlerischen und pädagogischen Berufsfeldern oder in der Organisations- und Personalentwicklung tätig sind und die vielfältigen Ressourcen des Mediums Theater in ihren Arbeitsbereichen therapeutisch anwenden wollen, z.B. Ärzte/Ärztinnen, Therapeut*innen, Sozialpädagog*innen, Schauspieler*innen, Alten-/Gesundheitspfleger*innen, im Management Tätige u.a.

ARBEITSFELDER
Theatertherapie kann in klinischen und psychosozialen Feldern als Einzel-, Paar- und Gruppentherapie angewandt werden.
Theatertherapeut*innen arbeiten z.B. in

  • psychiatrischen/psychosomatischen/psychotherapeutischen Kliniken und Einrichtungen
  • Suchteinrichtungen
  • ambulanten und stationären Einrichtungen der Jugendhilfe
  • in Projekten und Einrichtungen für Geflüchtete, Migrant*innen, Traumatisierte u.a.
  • Schulprojekten und Brennpunktschulen
  • Justizvollzugsanstalten und Bewährungshilfe
  • Frauenhäusern
  • Beratungsstellen
  • Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe
  • Hospizen
  • den Bereichen Coaching, Teambildung, Organisations- und Managementberatung
  • in freier Praxis

TEILNAHMEVORAUSSETZUNGEN

  • Mindestalter 25 Jahre
  • abgeschlossene Berufsausbildung/Studium und Berufserfahrung
  • 60 Stunden Eigentherapie (können z.T. während der Ausbildungszeit absolviert werden)
  • Teilnahme an einem der Zulassungsseminare

ZIELE DER WEITERBILDUNG
Die Teilnehmer*innen werden dazu befähigt, mit unterschiedlichen Zielgruppen in klinischen, psycho- und soziotherapeutischen Arbeitsfeldern theatrale Medien als künstlerische Therapieverfahren sowohl für Gruppen als auch für Einzelne einzusetzen. Dazu erwerben sie:

  • Elemente des künstlerischen Theater-»Handwerks« in ihrer Anwendung für therapeutische Ziele: Körper-, Atem-, Stimm-, Sprach- und Textarbeit, Schauspieltechniken, Szenen- und Rollengestaltung, Inszenierung/Regie
  • Grundlagen des psychotherapeutischen »Handwerks«: Entwicklungs- und Heilungsmodelle, Symptombilder/Psychopathologie, Diagnostik, Interventionstechniken/Krisenintervention, Gruppendynamik, therapeutische Beziehung und Haltung
  • Theatertherapeutische Methoden und ihre Indikation: Analyse von Körper- und Symbolsprache, Rollendiagnostik, theatertherapeutische Prozessbegleitung und biographisch zentrierte Szenenarbeit, theatrale Intervention, Arbeit mit Ritualen und imaginativen Verfahren
  • Theatertherapeutische Ansätze zur Erprobung sowie Erschließung neuer Perspektiven im Zusammenspiel von individueller Autonomie und Systemstrukturen zur Förderung von Flexibilität und Anpassungsfähigkeit.
  • Im nichtalltäglichen Raum die Begegnung mit existentiellen Themen des Menschseins und der individuellen und kollektiven Sinngebung möglich und sichtbar zu machen.
  • Entwicklung einer therapeutischen Haltung, die dazu befähigt innere Prozesse bei sich und anderen wahrzunehmen, zu reflektieren und entwicklungsfördernd zu nutzen.

STRUKTUR DER WEITERBILDUNG
Die Theatertherapie ist eine hochwirksame Therapieform, die über körper- und imaginationsaktivierende Methoden direkten Zugang zu unbewussten und oft frühen vorsprachlichen Themen ermöglicht. Dieses Instrument bedarf – verantwortlich angewandt – einer sehr gründlichen Ausbildung und eines gut begleitenden Entwicklungsprozesses des/der angehenden Theatertherapeut*in, der auch die Auseinandersetzung mit existentiellen persönlichen und kollektiven Themen beinhaltet.

Wir bieten unsere berufsbegleitende Weiterbildung als 4-jährige Ausbildung an und richten uns nach den Vorgaben der BAG-KT, dem Zusammenschluss der Berufsverbände Künstlerischer Therapien in Deutschland. Die BAG-KT setzt sich für die Etablierung der Künstlerischen Therapie im deutschen Gesundheitswesen ein und erstellt dafür Richtlinien zur Qualitätssicherung, die für alle Künstlerischen Therapien – Kunst-, Musik, Tanz- und Theatertherapie – eine mind. 4-jährige Ausbildung mit einer Mindestzahl an Unterrichts- und Supervisionsstunden vorsieht.

Unsere 4-jährige Weiterbildung umfasst 1200 UE mit einem Gesamt-Workload von 3.175 Stunden, bestehend aus:

  • 18 Ausbildungsmodulen, zwei dieser Module sind die jährlich von der DGfT durchgeführten Sommerakademien, einem 4-tägigen internationalen Symposium zu aktuellen Theatertherapieansätzen in Theorie/Forschung und Praxis
  • selbstorganisierten regionalen Lern- und Intervisionsgruppen
  • theatertherapeutischer Selbsterfahrung
  • einem Praktikum in einem künstlerischen oder therapeutischen Arbeitsfeld
  • einem Assessment nach dem dritten Jahr im 18. Modul als Zulassung zum Praxisfeld
  • einer begleiteten Anwendungsphase in einem selbstgewählten Praxisfeld im vierten Jahr, bei der das Gelernte in einem theatertherapeutischen Projekt unter supervisorischer Begleitung angewandt wird (3 Supervisions-Wochenenden plus 40 Stunden Einzel- und/oder Gruppensupervision)

INHALTE DER WEITERBILDUNG UND TERMINE

Zulassungsseminar
Das Zulassungsseminar bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, die Arbeitsweise der Theatertherapie kennenzulernen, um entscheiden zu können, ob diese Weiterbildung passend für sie ist. Den Dozent*innen dient das Zulassungswochenende dazu, die Teilnehmenden bei der praktischen Arbeit kennenzulernen, und ihnen Rückmeldung geben zu können, ob sie eine Teilnahme an der Weiterbildung für sinnvoll erachten. Dazu ist vor allem die Klärung der Motivation wichtig und die Bereitschaft und Fähigkeit, sich auf therapeutische Prozesse und die Medien Körper und Theater einzulassen.

Termine der Zulassungsseminare:
5. – 6. April 2025 oder 24. – 25. Mai 2025
(Sa 11 – 19 Uhr, So 10 – 15 Uhr

Termine und Themen der Module:
Die Module beginnen jeweils am Mittwoch um 18 Uhr und enden am Sonntag um 14 Uhr.

1._Basisphase:
Das erste Jahr der Weiterbildung dient der Eigenerfahrung von bewegungs- und theatertherapeutischen Methoden und der Erarbeitung der grundlegenden Theorieansätze

Modul 1 / 01.10. – 05.10.2025
„Die Welt ist eine Bühne“ – Theater als Kartografie des inneren Raumes

Modul 2 / 05.11. – 09.11.2025
Der Körper als Ausdrucks- und Prozessmedium in der Theatertherapie

Modul 3 / 14.01. – 18.01.2026
Bindung und Spiel als Grundlagen menschlicher Entwicklung

Modul 4 / 18.03. – 22.03.2026
Entwicklungsmodelle, soziale Beziehungsgefüge und persönliches Wachstum

Modul 5 / 13.05. – 17.05.2026
Chaos und Ordnung, Ritual und Heilung

Modul 6 / 30.09. – 04.10.2026
Künstlerische Gestaltung und Aufführungsentwicklung als therapeutischer Prozess

2.  Vertiefungsphase
Die 2. Ausbildungsphase ist der Anwendung der Theatertherapie zur Gestaltung und Steuerung von therapeutischen Prozessen gewidmet.

Modul 7 / 25.11. – 29.11.2026
Therapeutische Haltung und Identität

Modul 8 / 20.01. – 24.01.2027
Theatertherapeutische Prozessgestaltung I

Entwicklungsbegleitung von Kindern und Jugendlichen

Modul 9 / 17.03. – 21.03.2027
Theatertherapeutische Prozessgestaltung II
Theatertherapeutische Methoden in der Behandlung der Symptombilder Depression, Angst, Zwang

Modul 10 / Sommerakademie im Juni/Juli 2027 in Remscheid
(der genaue Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben)

Modul 11 / 06.10. – 10.10.2027
Theatertherapeutische Prozessgestaltung III
Theatertherapeutische Methoden in der Behandlung der Symptombilder Psychosomatik/Persönlichkeitsstörung

Modul 12 / 24.11. – 28.11.2027
Theatertherapeutische Prozessgestaltung IV
Theatertherapeutische Methoden in der Behandlung der Symptombilder Trauma/Sucht

Modul 13 / 26.01. – 31.01.2028
Theatertherapie mit speziellen Zielgruppen und in der Einzeltherapie

3._Transferphase:
Die 3. Phase der Ausbildung dient der Entwicklung der persönlichen Identität als Theatertherapeut*in bei der Übung der Therapeutenrolle im sicheren Kontext der Ausbildungsgruppe. Zentral dabei ist die beständige Überprüfung des eigenen therapeutischen Handelns und der persönlichen Übertragungsmuster als ethische Grundhaltung eines/einer Therapeut*in

Modul 14 / 22.03. – 26.03.2028
Theatertherapieplanung, Assessment und Forschung in der Theatertherapie, Reflexion und Evaluation therapeutischen Handelns

Modul 15 / Sommerakademie im Juni/Juli 2028 in Remscheid
(der genaue Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben)

Modul 16 / 04. – 08.10.2028
Persönliches Profil und Berufsimplementierung als Theatertherapeut*in

Modul 17 / 29.11. – 03.12.2028
Anwendungsorientierte Supervision-Verhaltens-Übertragungsmuster in der Beziehungsgestaltung

Modul 18 / 07.02. – 11.02.2029
Abschlusskolloquium mit Assessment
Bei diesem Assessment zum Abschluss des 3. Jahres der Ausbildung leiten die Teilnehmer:innen einen 20 – 30 minütigen Ausschnitt eines fiktiven theatertherapeutischen Prozesses und begründen und reflektieren diesen in einem anschließenden Gespräch sowohl im Hinblick auf die therapeutische Prozessgestaltung und die persönliche Haltung als Theatertherapeut:in, als auch des theoretischen Hintergrunds. Das Assessment dient der Zulassung zum Praxisfeld.

4._Begleitete Anwendungsphase im Praxisfeld
Im Zentrum dieser Anwendungsphase steht die eigenständige Durchführung eines theatertherapeutischen Prozesses in einem selbst gewählten Praxisfeld unter supervisorischer Begleitung und der anschließenden Dokumentation und Reflexion dieser praktischen Erfahrungen in der Abschlussarbeit.

Die 3 Supervisions-Wochenenden mit der Gesamtgruppe während dieser Phase (Modul 19) dienen der Begleitung und Unterstützung der individuellen therapeutischen Arbeit der Weiterbildungsteilnehmer*innen in ihrem Praxisfeld. Sie befassen sich mit

  • der Vertiefung der Methodensicherheit und Identitätsbildung als Theatertherapeut*in
  • der Auftragsklärung, Zielvereinbarungen und der Dokumentation
  • der Fallsupervision mit besonderem Augenmerk auf Übertragungsphänomene
  • des Umgangs mit Selbstfürsorge und der Stärkung persönlicher Ressourcen

WE 1 25.05. – 27.05.2029
WE 2 13.10. – 15.10.2029
WE 3 23.11. – 25.11.2029

Die Wochenenden beginnen am Freitagabend um 18 Uhr mit einer Intervisions-Einheit. Die von den Dozent*innen begleitete Arbeitsphase beginnt am Samstag um 10 Uhr und endet am Sonntag um 15 Uhr.

ABSCHLUSS
Die Ausbildung wird abgeschlossen mit

  • dem Nachweis der erbrachten Weiterbildungsleistungen durch das Studienbuch
  • einer schriftlichen Dokumentation und Reflexion zum Praxisfeld nach dem 4. Jahr, die von
    2 Dozent*innen abgenommen wurde

Die Teilnehmer*innen erhalten ein Zertifikat von der HfWU Akademie / DGfT/ITT, das den Abschluss als Künstlerischer Therapeut/Theatertherapie bzw. Künstlerische Therapeutin/Theatertherapie bescheinigt und zur selbständigen Anwendung von Theatertherapie für Einzelne und in Gruppen berechtigt.

KOSTEN

  • 9.900 € insgesamt für 4 Jahre, inklusive aller Module und die drei Wochenenden in der Anwendungsphase, ohne Unterkunft und Verpflegung, zahlbar in 36 monatlichen Raten je 275 €
  • 200 € Zulassungsseminar
  • 250 € für das Abschluss-Assessment nach dem 3. Jahr
  • 300 € Betreuung der Abschlussdokumentation durch 2 Dozent*innen

Nicht enthalten sind die Kosten für die Einzel- bzw. Gruppensupervision in der Praxisfeldbegleitung, die mit den jeweiligen Lehrsupervisor*innen extra abgerechnet werden, sowie eventuell anfallende Kosten für therapeutische Selbsterfahrung (Eigentherapie), sowie Unterkunft und Verpflegung.

VERANSTALTUNGSORT
Haus Niedermühlen e.V.
Niedermühlen 4
53567 Asbach
Telefon +49 (0) 02683/4480
Email: Haus_Niedermuehlen@t-online.de
Homepage: https://haus-niedermuehlen.de
(ausgenommen die zwei Sommerakademien 2027 und 2028)

GESAMTLEITUNG
Maren Schlüter und Jakob Heydemann

DOZENT*INNENTEAM
Franca Casabonne
Daniela Debald
Nora Heil
Jakob Heydemann
Ilil Land-Boss
Ingrid Lutz
Maren Schlüter
Wilhelm Seidel
Bettina Stoltenhoff-Erdmann
und ggf. Fachdozent*innen für spezifische Inhalte

INFORMATION UND ANMELDUNG
HfWU Akademie e.V.
Sandra Kunz
Neckarsteige 6 – 10. 72622 Nürtingen
Tel. +49 (0)7022 201-344
E-Mail: sandra.kunz@hfwu.de
www.hfwu.de/theatertherapie-fortbildungen

Ansprechpersonen zu inhaltlichen Fragen:
Maren Schlüter:  schlueter@theatertherapie.org, Tel. 0173/4351291
Jakob Heydemann: heydemann@theatertherapie.org, Tel. 0157/75702882