Curriculum der berufsbegleitenden Weiterbildung in Theatertherapie 2026 – 2030 in Berlin

(Berlin X)

Die Weiterbildung zur Theatertherapeut*in in Berlin wird in Kooperation mit der Kath. Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) durchgeführt und von ihr zertifiziert.

Die Theatertherapie ist eine künstlerische Therapieform, die seit über 50 Jahren in den USA, England und den Niederlanden fest etabliert ist, zunehmend auch im deutschen Raum. Sie stellt eine fruchtbare Verbindung zwischen der ursprünglichen Heilfunktion des Theaters und Verfahren moderner Psychotherapien her. Als künstlerische Therapie legt sie ihren Fokus auf kreative Prozesse, bei denen Zugänge zu vorhandenen Ressourcen gesucht werden. Gegenwartsbezogene und handlungsorientierte Aspekte sowie die therapeutische Beziehung stehen im Vordergrund.

Die Weiterbildung vermittelt die Anwendung theatertherapeutischer Verfahren auf der Basis eines systemischen Grundverständnisses in klinischen sowie psychosozialen Arbeitsfeldern, in körpertherapeutischen und performativen Prozessen und umfasst die Einzel- wie auch Gruppentherapie.

ZIELGRUPPE

Diese berufsbegleitende Weiterbildung richtet sich an Menschen, die in heilenden, künstlerischen und pädagogischen Berufsfeldern oder in der Organisations- und Personalentwicklung tätig sind und die vielfältigen Ressourcen des Mediums Theater in ihren Arbeitsbereichen therapeutisch anwenden wollen, z.B. Ärzt*innen, Therapeut*innen, Sozialpädagog*innen, Schauspieler*innen, Alten-/Gesundheitspfleger*innen, im Management Tätige u.a.

ARBEITSFELDER

Theatertherapie kann in klinischen und psychosozialen Feldern als Einzel-, Paar- und Gruppentherapie angewandt werden. Theatertherapeut*innen arbeiten z. B. in

  • psychiatrischen/psychosomatischen/psychotherapeutischen Kliniken und Einrichtungen
  • Suchteinrichtungen
  • ambulanten und stationären Einrichtungen der Jugendhilfe
  • in Projekten und Einrichtungen für Geflüchtete, Migranten, Traumatisierte u.a.
  • Schulprojekten und Brennpunktschulen
  • Justizvollzugsanstalten und Bewährungshilfe
  • Frauenhäusern
  • Beratungsstellen
  • Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe
  • Hospizen
  • den Bereichen Coaching, Teambildung, Organisations- und Managementberatung
  • in freier Praxis

TEILNAHMEVORAUSSETZUNG

  • Mindestalter 25 Jahre
  • abgeschlossene Berufsausbildung/Studium und Berufserfahrung
  • 60 Stunden Eigentherapie (können z. T. während der Ausbildungszeit absolviert werden)
  • Teilnahme an einem der Zulassungsseminare

ZIELE DER WEITERBILDUNG

Die TeilnehmerInnen werden dazu befähigt, mit unterschiedlichen Zielgruppen in psycho- und soziotherapeutischen Arbeitsfeldern theatrale Medien als künstlerische Therapiemethode sowohl für Einzelne als auch für Gruppen einzusetzen. Dazu erwerben sie:

  • Elemente des künstlerischen Theater-»Handwerks« in ihrer Anwendung für therapeutische Ziele: Körper-, Atem-, Stimm- und Textarbeit, Szenen- und Rollengestaltung, Inszenierung/Regie
  • Grundlagen des psychotherapeutischen »Handwerks«: Entwicklungs- und Heilungsmodelle, Störungsbilder/Psychopathologie, Diagnostik, Interventionstechniken/Krisenintervention, Gruppendynamik, therapeutische Beziehung und Haltung
  • Theatertherapeutische Methoden und ihre Indikation: Analyse von Körper- und Symbolsprache, Rollendiagnostik, theatertherapeutische Prozessbegleitung und biographisch zentrierte Szenenarbeit, theatrale Intervention, Arbeit mit Ritualen und imaginativen Verfahren
  • Theatertherapeutische Ansätze zur Erprobung sowie Erschließung neuer Perspektiven. zur Förderung von Flexibilität und Anpassungsfähigkeit in der Balance von individueller Autonomie und Einbindung in Systemstrukturen.
  • Besonders wichtig ist es uns, in der Theatertherapie eine Begegnung mit existentiellen Themen des Menschseins im nicht-alltäglichen Raum zu ermöglichen als Basis zur individuellen und kollektiven Sinngebung.
  • Die Entwicklung einer therapeutischen Haltung, die dazu befähigt, innere Prozesse bei sich und anderen mit Achtsamkeit wahrzunehmen, zu reflektieren und entwicklungsfördernd zu nutzen.

STRUKTUR DER WEITERBILDUNG

Die Theatertherapie ist eine hochwirksame Therapieform, die über körper- und imaginationsaktivierende Methoden direkten Zugang zu unbewussten und oft frühen vorsprachlichen Themen ermöglicht. Dieses Instrument bedarf – verantwortlich angewandt – einer sehr gründlichen Ausbildung und eines gut begleiteten Entwicklungsprozesses des/der angehenden Theatertherapeut*in, der auch die Auseinandersetzung mit existentiellen persönlichen und kollektiven Themen beinhaltet.

Wir bieten unsere berufsbegleitende Weiterbildung als 4-jährige Ausbildung an und richten uns damit nach den Vorgaben der BAG-KT, dem Zusammenschluss der Berufsverbände Künstlerischer Therapien in Deutschland. Die BAG-KT setzt sich für die Etablierung der Künstlerischen Therapie im deutschen Gesundheitswesen ein und erstellt dafür Richtlinien zur Qualitätssicherung, die für alle Künstlerischen Therapien – Kunst-, Musik, Tanz- und Theatertherapie – eine mind. 4-jährige Ausbildung mit einer Mindestzahl an Unterrichts- und Supervisionsstunden vorsieht.

Unsere 4-jährige Weiterbildung umfasst 1.200 UE mit einem Gesamt-Workload von 3.175 Stunden, bestehend aus:

  • insgesamt 18 Ausbildungsmodule während der ersten drei Weiterbildungsphasen,
    – zwei davon bestehen aus der jährlich von der DGfT durchgeführten Sommerakademie, einem 4-tägigen internationalen Symposium zu aktuellen Theatertherapieansätzen in Theorie, Forschung und Praxis
    – das vorletzte Modul ist ein Assessment als Zulassung zur Anwendungsphase
  • einer Anwendungsphase im vierten Jahr in einem selbstgewählten Praxisfeld, bei dem das Gelernte in einem theatertherapeutischen Projekt angewandt wird, unter fachsupervisorischer Begleitung (3 Weiterbildungswochenenden + 40 Std. Einzel-/Gruppensupervision)
  • selbstorganisierten regionalen Lern- und Intervisionsgruppen
  • einem Praktikum in einem künstlerischen oder therapeutischen Arbeitsfeld
  • einem Assessment als Zulassung zur Praxisphase

INHALTE DER WEITERBILDUNG UND TERMINE

ZULASSUNGSSEMINAR

Das Zulassungsseminar bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, die Arbeitsweise der Theatertherapie kennenzulernen, um entscheiden zu können, ob diese Weiterbildung passend für sie ist. Den Dozierenden dient das Zulassungswochenende dazu, die Teilnehmenden bei der Arbeit kennenzulernen, um ihnen dann Rückmeldung geben zu können, ob sie ihrerseits eine Teilnahme an der Weiterbildung für sinnvoll erachten. Dazu ist vor allem die Klärung der Motivation wichtig und die Bereitschaft und Fähigkeit, sich auf therapeutische Prozesse und das Medium Theater einzulassen.

Wir bieten zwei Termine als Zulassungstermine an:

Zulassungsseminar 1:
3. Juli 2026 – 4. Juli 2026 (Freitag 16 – 20 Uhr und Samstag 09:30-12:30 Uhr)

Zulassungsseminar 2:
4. Juli 2026 – 5. Juli 2026 (Samstag 16 – 20 Uhr und Sonntag 9:30 – 12:30 Uhr)

Termine und Themen der Module:
Die Module beginnen jeweils am Mittwoch um 18 Uhr und enden am Sonntag um 14 Uhr.
Arbeitszeiten: Mi 18 – 21 Uhr, Do – Sa 10 – ca. 19 Uhr, So 10 – 14 Uhr

1. Basisphase
Theater als kollektives Erfahrungs- und Ausdrucksmedium und theatertherapeutische Selbsterfahrung. Die Basisphase der Weiterbildung dient der Eigenerfahrung von bewegungs- und theatertherapeutischen Methoden und der Erarbeitung der grundlegenden Theorieansätze sowie der Entwicklung der eigenen therapeutischen Haltung.

Modul 1: 18.11. – 22.11.2026
Basiskonzepte der Theatertherapie: „Die Welt ist eine Bühne“ – Theater als Kartographie des inneren Raumes. Die Bühne als therapeutischen Raum etablieren und erfahrbar werden lassen

Modul 2: 10.02. – 14.02.2027
Grundlagen theatertherapeutischen Arbeitens I: Der Körper als Ausdrucks- und Prozessmedium in der Theatertherapie

Modul 3: 21.04. – 25.04.2027
Bindung und Spiel als Grundlagen menschlicher Entwicklung

Modul 4: 26.05. – 30.05.2027
Grundlagen theatertherapeutischen Arbeitens II: Chaos und Ordnung, Ritual und Heilung

Modul 5: 08.09. – 12.09.2027
Künstlerische Gestaltung und Aufführungsentwicklung als therapeutischer Prozess

Modul 6: 17.11. – 21.11.2027
Systemische Ansätze und Haltung in der Theatertherapie

Modul 7: 12.01. – 16.01.2028
Therapeutische Haltung und Identität – Heilungsmodelle und die Rolle des/der Therapeut*in

2. Vertiefungsphase:
Theatertherapeutische Prozessgestaltung. Die Vertiefungsphase ist der Anwendung der Theatertherapie zur Gestaltung und Steuerung von therapeutischen Prozessen bei verschiedenen Symptombildern und Zielgruppen gewidmet.

Modul 8: 08.03 – 12.03.2028
Theatertherapeutische Prozessgestaltung bei den Symptombildern „Psychosomatik“, Grundlagen und Gestaltung von Veränderungsprozessen

Modul 9: Juni/Juli 2028
Int. Sommerakademie (https://www.theatertherapie.org/intern-sommerakademie/)

Modul 10: 23.08 – 27.08.2028
Theatertherapeutische Prozessgestaltung bei den Symptombildern „Depression“, „Angst“, „Zwang“

Modul 11: 08.11 – 12.11.2028
Theatertherapeutische Prozessgestaltung bei den Symptombildern „Trauma“ und „Sucht“

Modul 12: 17.01 – 21.1.2029
Theatertherapeutische Prozessgestaltung bei den Symptombildern „Persönlichkeitsstörungen“, Psychosen und Kriseninterventionen

Modul 13: 21.2. – 25.02.2029
Theatertherapie in der Einzeltherapie und mit speziellen Zielgruppen (u.a. Kinder- und Jugendliche/Familien)

3. Transferphase:
Die Transferphase dient der Entwicklung der persönlichen Identität als Theatertherapeut*in und der kontinuierlichen Reflexion des eigenen therapeutischen Handelns, der therapeutischen Haltung und der persönlichen Übertragungsmuster

Modul 14: 25.04 – 29.04.2029
Therapieplanung und Assessment: Verhaltens- und Übertragungsmuster in Krisensituationen. Forschung in der Theatertherapie

Modul 15: Juni/Juli 2029
Int. Sommerakademie (https://www.theatertherapie.org/intern-sommerakademie/)

Modul 16: 22.08– 26.08.2029
Berufsimplementierung I: Persönliches Profil und Visionsentwicklung als Theatertherapeut*in

Modul 17: 07.11 – 11.11.2029
Abschlusskolloquium/Assessment

Modul 18: 05.12 – 09.12.2029
Berufsimplementierung II: Möglichkeiten für den theatertherapeutischen Berufseinstieg, juristische Rahmenbedingungen und Berufsethik.

4. Begleitete Anwendungsphase im Praxisfeld
Im Zentrum der Anwendungsphase steht die eigenständige Durchführung eines theatertherapeutischen Prozesses in einem selbst gewählten Praxisfeld unter supervisorischer Begleitung und die anschließende Dokumentation sowie Reflexion dieser praktischen Erfahrungen in der Abschlussarbeit.

Die drei Weiterbildungswochenenden mit der Gesamtgruppe dienen der fachsupervisorischen Begleitung und Unterstützung der Weiterbildungsteilnehmer*innen bei ihrer Erprobung der individuellen therapeutischen Arbeit im Praxisfeld sowie der beruflichen Implementierung.

  • Vertiefung der Methodensicherheit und Identitätsbildung als Theatertherapeut*in
  • Auftragsklärung, Zielvereinbarungen und Dokumentation
  • Fallsupervision mit besonderem Augenmerk auf Übertragungsphänomene
  • Umgang mit Selbstfürsorge und Stärkung persönlicher Ressourcen

WE 1: 16. – 17.03.2030
WE 2: 21. – 22.09.2030
WE 3: 07. – 08.12.2030

Die Wochenenden starten am Freitagabend um 18 Uhr mit einer Intervisions-Einheit. Die von den Dozent*innen begleitete Arbeitsphase beginnt am Samstag um 10 Uhr und endet am Sonntag um 15 Uhr.

Die Termine der 40 Stunden Einzel-/Kleingruppensupervision werden von den Weiterbildungsteilnehmenden individuell mit den Lehrsupervisor*innen vereinbart und sind nicht Bestandteil der Weiterbildungsmodule.

ABSCHLUSS

Die Ausbildung wird abgeschlossen mit

  • dem Nachweis der erbrachten Weiterbildungsleistungen durch das Studienbuch
  • einer schriftlichen Dokumentation und Reflexion zum Praxisfeld im Rahmen der Anwendungsphase, die von 2 Dozent*innen beurteilt und abgenommen wird.

Die Teilnehmer*innen erhalten ein Zertifikat von KH Berlin/DGfT/ITT, das den Abschluss als Künstlerischer Therapeut/Künstlerische Therapeutin/Theatertherapie bescheinigt und zur selbstständigen Anwendung von Theatertherapie für Einzelne und für Gruppen berechtigt.

KOSTEN

  • 9.900 € insg. für 4 Jahre (ohne Unterkunft und Verpflegung), zahlbar in vierteljährlichen Raten. Die Kosten für die drei Wochenenden der Praxisphase sind darin enthalten, nicht die Einzel- und Gruppensupervisionen der Praxisfeldbegleitung (dafür sind zusätzlich insgesamt mindestens 600 € zu veranschlagen)
  • 200 € Zulassungsseminar
  • 250 € für das Abschluss-Assessment zum Abschluss der Transferphase
  • 300 € Betreuung der Abschlussdokumentation durch 2 Dozent*innen

Nicht enthalten sind die Kosten für Einzel- bzw. Gruppensupervision in der Praxisfeldbegleitung, die mit den jeweiligen Lehrsupervisor*innen extra abgerechnet werden, sowie eventuell anfallende Kosten für therapeutische Selbsterfahrung, Unterkunft und Verpflegung.

VERANSTALTUNGSORT

Europäisches Theaterinstitut (ETI)
Rungestr. 20
10179 Berlin
(ausgenommen die zwei Sommerakademien, so wie das Modul 16. Dies findet in einem Seminarhaus in Brandenburg statt.)

GESAMTLEITUNG

Franca Casabonne und Maren Schlüter

LEITUNGSTEAM

Bettina Stoltenhoff-Erdmann
Björn Kaltwasser
Christine Schur
Daniela Debald
Ilil Land-Boss
Ingrid Lutz
Jakob Heydemann
Jule Eicke
Nora Heil
Wilhelm Seidel

und ggf. Fachdozent*innen für spezifische Inhalte

INFORMATION UND ANMELDUNG

Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Referat Weiterbildung
Köpenicker Allee 39 – 57
10318 Berlin

Margit Wagner, Tel. 030 50101047
Email: margit.wagner@khsb-berlin.de
Link zum Anmeldeformular:  www.khsb-berlin.de

Zu inhaltlichen Fragen:
Franca Casabonne, E-Mail: casabonne@theatertherapie.org
Maren Schlüter E-Mail: schlueter@theatertherapie.org