24. jährliche Internationale Sommerakademie 2026
Theater & Therapie:
Die Lebenskräfte ins Spiel bringen
Haltung und Handwerk in den Spannungsfeldern theatertherapeutischer Praxis
3. – 7. Juni 2026, Akademie Remscheid
Die Wurzeln der Theatertherapie reichen tief in die Kultur- und Menschheitsgeschichte zurück – zu den ursprünglichen Heilkräften des Theaters, zu rituellen und gemeinschaftsbildenden Formen, in denen Ausdruck, Heilung und soziale Ordnung eng miteinander verbunden waren. Zugleich ist Theatertherapie in der heutigen therapeutischen Landschaft eine vergleichsweise junge Disziplin. In Deutschland hat sie erst seit wenigen Jahrzehnten zunehmend Verbreitung gefunden.
Oft führen Theatertherapeut:innen ihre Arbeit in bestehenden Arbeitsfeldern erstmals ein. Sie vertreten dort die spezifischen Potenziale der Theatertherapie und beziehen mit ihrer fachlichen und persönlichen Haltung innerhalb eines von anderen Therapieformen geprägten Systems Position. Gerade in institutionellen Kontexten eröffnet die Theatertherapie eine eigene Perspektive: Sie schafft einen Möglichkeitsraum jenseits des Alltäglichen – eine Spielfläche, die lockt und zugleich verunsichern kann. Sie weitet den Blick vom Problem oder Symptom auf den ganzen Menschen mit seinen Ressourcen und individuellen Lösungsversuchen. Sie gibt einen Rahmen für das Chaos, aus dem Neues entstehen kann. Die Theatertherapie bringt die kreativen, kompetenten und wissenden Anteile der Menschen ins Spiel und schafft einen geschützten Raum, in dem sich verletzte Anteile mit den eigenen Lebenskräften verbinden können. Theatertherapie stellt Verbindung her: zum eigenen Körper, zu anderen Menschen und zu Erfahrungsräumen, die über das Hier und Jetzt hinausweisen – etwa zu Mythen, Träumen, Geschichten und zur mehr-als-menschlichen Natur.
Mit ihrem spezifischen Potenzial bewegt sich theatertherapeutische Praxis – abhängig vom jeweiligen Arbeitsfeld – in vielfältigen Spannungsfeldern: zwischen künstlerisch-therapeutischer Autonomie und institutioneller Anpassung, zwischen der Dynamik individueller Prozesse und den strukturellen Begrenzungen des jeweiligen Rahmens sowie zwischen einem auf das Individuum fokussierten Therapieverständnis und der über das Persönliche hinaus weisenden kollektiven Dimension, die dem Theater seit seinen Anfängen eigen ist.
Diese Spannungsfelder verlangen von Theatertherapeut:innen eine reflektierte Haltung, eine kontinuierliche Selbstverortung im jeweiligen System sowie einen inneren Prozess, der die eigenen Lebenskräfte nährt und so einen Spielraum ermöglicht, in dem Menschen die Verbindungen zu sich selbst und über sich selbst hinaus erfahren und ihre Ressourcen und Kräfte neu beleben können.
Die diesjährige Sommerakademie richtet den Blick sehr konkret darauf, was das für die theatertherapeutische Praxis bedeuten kann: Was hilft, diesen Spannungsfeldern in der Arbeit zu begegnen? Was stärkt Haltung und Rolle als Theatertherapeut:in – auch in einem multiprofessionellen Kontext? Wie lässt sich das Handwerk erweitern und vertiefen, um die vielfältigen Möglichkeiten der Theatertherapie auf die eigene Weise zu nutzen? Und wie können die Lebenskräfte immer wieder neu genährt werden?
Um die Angebote gezielt an die unterschiedlichen Situationen und Bedürfnisse der Teilnehmenden anzupassen, wurde für die diesjährige Sommerakademie ein erweitertes Konzept entwickelt:
- Masterclasses richten sich an ausgebildete Theatertherapeut:innen und bieten Impulse für die aktuelle therapeutische Arbeit sowie für die Auseinandersetzung mit der eigenen theatertherapeutischen Haltung. Eine Teilnahme ist ab dem 4. Jahr der Weiterbildung Theatertherapie beziehungsweise ab dem 7. Semester des Bachelorstudiengangs Theatertherapie möglich. Die Masterclasses sind eintägig angelegt, sodass zwei Masterclasses besucht werden können.
- Workshops sind offen für alle Interessierten und eröffnen über zwei Tage hinweg Raum für eine vertiefte Auseinandersetzung mit den jeweiligen Themen.
Der Samstag bildet den gemeinsamen Abschluss der Sommerakademie: Impulse aus Workshops und Masterclasses geben Einblicke in die Arbeitsprozesse der vergangenen Tage, während Vorträge unserer internationalen Gäst:innen Amani Mussa, Susana Pendzik, Salvo Pitruzzella und Anna Seymour zentrale Aspekte des Themas aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven beleuchten. In der anschließenden Reflexion wird erkundet, wie sich Haltung und Handwerk in den Spannungsfeldern theatertherapeutischer Praxis weiterentwickeln lassen, um die Lebenskräfte immer wieder neu ins Spiel bringen zu können.
Zu den weitere Infos:
Tagungsadresse
Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes NRW e.V.
Küppelstein 34
42857 Remscheid
Veranstalter
Deutsche Gesellschaft für Theatertherapie e.V. (DGfT)
www.dgft.de
Institut für Theatertherapie (ITT)
www.theatertherapie.org
Gesamtleitung, Konzeption, Programm
Daniela Debald und Ilil Land-Boss
debald@theatertherapie.org, land-boss@theatertherapie.org
Anmeldung und Information
Martina Hoffmann-Seidel
Tel. +49 (0)152 38501660
hoffmann-seidel@theatertherapie.org
Tagungsmanagement vor Ort
Klaus Wührl-Struller
Tel +49 (0)170 7580780
Informationen zum Tagungshaus und zur Anfahrt
gibt es unter: https://kulturellebildung.de/information/der-tagungsort/
Bitte beachten: Die Anmeldung zur Sommerakademie erfolgt ausschließlich über das Institut für Theatertherapie und das Anmeldeformular auf unserer Website!