De-constructing the past, Constructing the future: der Holocaust in den ‘Köpfen’ von Jugendlichen

Ein theatertherapeutisches und traumasensitives Forschungsprojekt zur kollektiven Identitätsbildung durch die Vermittlung von Geschichten und Bildern über den Holocaust bei Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft in Berlin.

Unser Projekt beschäftigt sich mit der Frage, wie das Vermächtnis und die Erinnerung an den Holocaust bei deutschen Jugendlichen interpretiert und adaptiert wird und geht von der These aus, dass diese inneren Bilder ihre aktuellen Perspektiven und Einstellungen zu „Fremden/Anderen“ wesentlich prägen. Unser Ziel ist es, dialogische Erzählungen zu erforschen, die Komplexität berücksichtigen und Empathie kultivieren und so zu einer Transformation der aktuellen Erinnerungskultur führen können.

Obwohl im Laufe der Zeit viele Ressourcen für die Aufarbeitung des Holocaust aufgewendet wurden, ist die Weitergabe seines Erbes an die nächsten Generationen nicht immer auf hilfreiche oder konstruktive Weise erfolgt. Deutschland muss sich derzeit intensiv mit Flüchtlingswellen , Fundamentalismus, politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit, Rassismus, Jugendgewalt … auseindersetzen. Damit werden Konfliktfelder sichtbar, die unausweichlich auch in das „Vermächtnis des Holocaust“ eingebettet sind.

Der narrative Ansatz geht davon aus, dass der menschliche Verstand Erfahrungen integriert, indem er sie „erzählt“, so dass die Erzählungen unser Verständnis der Welt nicht nur reflektieren, sondern auch formen. Dieses Projekt untersucht die konstruierten Erzählungen über den Holocaust, die Jugendliche in Deutschland aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen meist unbewusst in ihre Identitätsbildung einbauen. Dabei wird nicht nur der Blick darauf gerichtet, wie dadurch ihre Haltung zu jüdischen Menschen geprägt wird, sondern auch, wie sich dadurch die Haltung gegenüber „ Anderen“ im allgemeinen gestaltet, insbesondere gegenüber Migranten und Flüchtlingen .

Somit hat dieses Projekt als ein wichtiges Ziel die kulturelle Vielfalt Deutschlands.

Das Projekt nutzt theatertherapeutische Methoden und theatralische Prozesse, um Kernbilder in Deutschland lebender Jugendlicher über den Holocaust zu sammeln. Diese Bilder werden vom beteiligten Theatertherapeuten-Team bearbeitet und daraus eine Theater-Performance entwickelt, die den beteiligten Jugendlichen als „Spiegel“ ihres Inputs gezeigt wird – als Grundlage für Veränderungen dieser Bilder und das Entwickeln alternativer Erzählungen.

Die Sammlungsphase, die Performance und die anschließende Auswertung mit allen Beteiligten soll die Basis für eine Veränderung der „Erzählungen“ über den Holocaust unter dem Blickwinkel der beschriebenen Zielsetzungen in Gang setzen. Alle Schritte werden per Video dokumentiert und von der Initiativgruppe wissenschaftlich ausgewertet (Veröffentlichungen in Fachzeitschriften und der lokalen Presse).

Mit dem hier angewandten Ethnotheatre- oder narrativem Ansatz versucht das vorgeschlagene Projekt einen völlig neuen Ansatz zu entwickeln, um die Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu erreichen. Die moderne Hirnforschung hat bewiesen, dass kognitive Informationen keine verhaltensverändernde Wirkung haben, dafür ist ein komplexes Zusammenspiel von gelebter emotionaler Erfahrung und Körperresonanz, verbunden mit einer gesellschaftlich akzeptierten Bedeutung von Werten notwendig – das ist eine präzise Beschreibung, wie Theater funktioniert!!!

Das Projekt wird von Ingrid Lutz (Berlin), Susana Pendzik (Israel) und Jutta Heppekausen (Potsdam) geleitet und als Pilotprojekt von der Open Society Foundation gefördert.