Sommerakademie 2021

Beschreibungen der Workshops am Do/Fr

 

Workhop 1:
Into the Blue: Challenges and possibilities of dramatherapy in times of climate change
Bonnie Harnden

This workshop will present current research on awe and gratitude and demonstrate how, when harnessed, they have the capacity to heal our nervous systems, and promote health and wellness throughout our lives. They are positive emotions and emotions that provoke action. When harnessed through drama therapy, they help us mobilize into action and engagement. Through this we can move out of states of freeze and disengagement and work to address climate change and to develop sustainability inside and out. As we heal our nervous systems and our bodies, in turn, we can heal the environment.

This innovative, 2-day presentation combines lecture, video, performance, and experiential group learning. Theory and research on trauma and the nervous system are presented in order to give context to the application of the research on awe and gratitude. Our planet is suffering in many different ways and we will examine how trauma keeps in in cycles of consumption, inaction and despair and how awe and gratitude can mobilize us out of these states.

Day 1 will give an overview of the nervous system and the impact of trauma, illustrated through theatrical performance and imagery as well as the direct presentation of clinical research. The use of storytelling and physical movement will help each participant come to a personal understanding of the material while having an opportunity to process reactions and to discuss the research as a group.

Day 2 will present the research on gratitude, continuing to share the material through lecture and performance. As we navigate a changing world which fills us with grief and despair we will explore how touching deeply into gratitude and awe are the counterpoints and solutions. Together, we will assemble a toolkit of resources and activities that are available for participants to apply directly to personal and clinical practice..

 

Workshop 2:
Systemische Naturtherapie: Heilsames Verkörpern der Verbindung zwischen Mensch und Natur
Astrid Habiba Kreszmeier

Über Aufstellungsarbeit, Mythodrama und Naturerfahrung lade ich ein zu einer Forschungsreise in die Geschichte des Menschseins und ihrer Verbundenheit mit der Erde, ihren Landschaften und Elementen. Wir beginnen mit den Fragen, die sich uns hier und heute stellen, reisen durch Mythen der Schriftkultur zu frühmythischen Formen der Mündlichkeitskultur bis hin zu den vorsprachlichen und doch so reichen Formen der Mimesis: der Mimik, der Gestik, der Körper- und Lautsprache. Mit ein wenig Glück erahnen und erinnern wir dabei Bilder aus den heilen Räumen der Menschheitsgeschichte, die für unser Zusammenleben bis heute so wichtige Impulse schenken: für ein freudiges, sinnstiftendes Zusammenleben mit uns selbst, mit anderen Menschen in der von uns gemachten Welt und vor allem auch: mit der Welt der gegebenen ständig-werdenden Natur.

Anders gesagt: Diese beiden Tage stellen den Natur-Dialog-Ansatz vor und zeigen praktische Möglichkeiten, unser Selbstbild als auch Gemeinschaftsbild über die menschliche Welt hinaus auszuweiten und dem Leben und der Welt in ihrer Beseeltheit zu begegnen.

 

Workshop 3:
Matrix des Trauerns – Rituelle Strukturen als therapeutisches Medium in Übergangsprozessen
Ilil Land-Boss
Der Workshop wird von der Annahme geleitet, dass im Leben und Alltag der meisten Menschen hier und heute zahlreiche Übergänge keine ausreichende Gestaltung und rituelle Einrahmung finden und dass dieses Fehlen von Zeit, Raum und rituellen Gefäßen zu emotionalen und psychischen Belastungen/Blockaden führen kann.
Nicht nur bei Tod und Verlust, sondern auch bei für jede Entwicklung notwendigen Transformationen und Übergängen von einer Lebenssituation in eine andere spielen Trauerprozesse eine zentrale Rolle, in denen das Alte verabschiedet und das Neue angenommen werden kann. Individuelle Empfindungen können so eine Einbettung in einen größeren Rahmen erfahren und die ästhetische Distanzierung kann einen Zugang und gleichzeitig eine Gestaltgebung und dadurch Handhabung ermöglichen.
In diesem Workshop werden rituelle Strukturen sowie eine Auswahl körperlicher Ausdrucksformen – Gesten, Körperhaltungen und einfache Bewegungen – vorgestellt, die in verschiedenen Kulturen im Kontext von Übergängen, vorwiegend von Todes- und Trauerritualen vorkommen. Damit soll ein experimenteller und partizipativer Ausdrucksraum eröffnet werden, in dem Aspekte des Lebens und der Persönlichkeit der Teilnehmenden, die aktuell eine besondere Beachtung benötigen, einen Ausdruck in einem rituellen Gefäß finden können. Eine zentrale gemeinsame Forschungsfrage wird sein, wie diese rituellen Tod- und Trauergesten so adaptiert werden können, dass sie Übergänge auf verschiedenen Ebenen markieren, gestalten und begleiten.

 

Workshop 4:
Trancephänomene bei Ritual & Heilung: „Trockene Hirne fallen nicht in Trance“
Ingrid Lutz

Dieser Workshop basiert auf Ergebnissen einer jahrzehntelangen Forschung, bei der Natur und Struktur des Zusammenhangs von Ritual und Heilung erforscht und für unsere „moderne“ Theatertherapie nutzbar gemacht werden sollte: Der hier vorgestellte Ansatz begreift die Entwicklung von Ritualen als eine physiologisch im Körperwissen verankerte und seit Jahrtausenden genutzte menschliche Fähigkeit, kollektive Strukturen für Übergänge bereitzustellen, die 2 Funktionen gleichzeitig erfüllen:

  1. Sie geben Struktur dafür, etwas hinter sich zu lassen, eine „Form“ zu vollenden, und die Leerstelle auszuhalten, in der das Alte nicht mehr und das Neue noch nicht vorhanden ist –, sie ermöglichen, sich dem Unbekannten/Angstmachenden zu stellen und dabei nicht in der Angstreaktion zu erstarren, sondern handlungs- und lebensfähig zu bleiben. Sie schaffen so eine wesentliche Voraussetzung für (Weiter-)Entwicklung!
  2. Gleichzeitig haben sie die Aufgabe, bei Krisen, Brüchen und Katastrophen für die Aufrechterhaltung der persönlichen und kollektiven Identität zu sorgen, indem sie Verbindung herstellen sowohl auf der horizontalen Ebene zum Kollektiv als auch auf der vertikalen/transpersonalen Ebene zu einem größeren Ganzen.

Wesentlich für die Wirkung von Ritualen sind offensichtlich Trancephänomene, die evolutionär im menschlichen Körper/Gehirn angelegten Fähigkeit, in einem erweiterten Bewusstseins- und Wahrnehmungszustand Zugang zu menschlichen Potentialen und inneren Selbstheilungsprozessen zu finden, die aus gutem Grund für das ‚normale‘ Bewusstsein nicht zugänglich sind. Das ‚normale‘ Bewusstsein ist durch familiäre und gesellschaftliche Prägung und Tabus beschränkt, existentielle Krisen zeichnen sich aber genau dadurch aus, dass die bisher gelernten Bewältigungsmechanismen versagen.

In diesem Workshop arbeiten wir mit sehr einfachen tranceinduzierenden Arbeitsformen, greifen auf Fähigkeiten zurück, die wir als Kinder alle zur Verfügung hatten, es braucht kein Hexenwerk oder Mystifizierungen, um in das in unseren Zellen gespeicherten Wissen um Lebens- und Entwicklungsprozesse einzutauchen und einen lebendigen Bezug zu existentiellen Themen im Spannungsfeld zwischen Geburt und Tod jenseits des alltäglichen neurotischen Geschehens in uns und um uns zu finden.

 

Workshop 5:
Ritual Actions & the Body Energy Centres
Ryszard Nieoczym

‘Ritual Actions’ has been a research project for over 30 years asking one fundamental question: is it possible to create Rituals which can heal the body, mind, spirit and soul. And by soul I mean what James Hillman articulates: soul is not a substance as in traditional theology of many religions, but a function of imagination.

Today we live in a world dominated by frenetic Urban Rhythms and as a result we have lost connections with our own body’s organic rhythms, our own sources of energy.

This workshop will introduce the group into a process of Play to awaken the body centres: the whole Body in Movement, the Head Centre: imagination visualization fantasy, the Vocal, emotional and Sex Centre.

The intermingling of energies from the centres forms a River of Energy with many layers. It is essential to recognize that all feelings are just different forms of energy: anger rage joy sorrow love hate etc.

In our play process we’ll explore, if the individual body centres can act as transformers of the energies which emanate from nature (trees, rivers, wind, rocks, fire) and further, if our human bodies can connect in some way to the Universal Energy that keeps the whole universe spinning and vibrating and transform it into a healing process for oneself with and for others. .

 

Workshop 6:
Playing with archetypes: Exploring Angel, Muse and Duende as catalysts of psychological processes in dramatherapy
Susana Pendzik

The creative process holds dimensions of wisdom and multiplicity of meanings that often lead us to unique insights. Federico Garcia Lorca speaks about three forms of artistic inspiration: Angel, Muse, and Duende. Coming from above, the Angel grants, protects, and illuminates; the Muse inspires, structures and engages the intellect, creating stylishly impressive forms. The Duende challenges and dares; it comes from below, raising up from the earth, irrupting in the artist’s body through the sole of the feet, and triggering burning emotions. Although these invisible forces are external, they pass through the artist, affecting everyone present.

This workshop seeks to reinforce the connection of the participants with their Inner Artist by exploring these archetypes in the context of dramatherapeutic practice, looking at them as potential accelerators and catalysts of psychological process. Using dramatic resonances, embodied imagery, movement, text, and ritual structures, we will create a dialogue with our Inner Artist and broaden its ways of expression in ourselves and our knowledge of its therapeutic potential in our practice.

 

Workshop 7:
 (Work-)Be-Shop: Unberührbares berühren
Johannes B. Schmidt

In diesem Be-shop demonstriert und erläutert der Referent seine Praxis intimer therapeutischer Begegnung – auch handwerklich. Zentral ist dabei die Wandlung in eine Haltung: ‚Die Begegnung mit dir führt mich zu mir‘. Wie finden wir den Mut Unberührbares in uns berühren zu lassen? Wie bleiben wir berührbar und bewahren unsere Sensibilität und Lebendigkeit?

Live-Arbeit/Demos mit Teilnehmern vor der Gruppe, Erläuterungen des “Handwerks” und, je nach Anliegen der Gruppe, kleine Explorationen des Selbsterlebens der Teilnehmer, machen diesen Be-Shop aus.

Vorsicht: Tiefste Begegnung ist nicht leicht, berührende Begegnung kann in verschiedene Richtungen aktivierend sein und dissoziierte Traumata ebenso aufdecken wie verschüttete Lebensquellen. Wie sagte einst ein Buddhist: Ohne Shitsang kein Satsang.

 

Workshop 8:
Nava Rasa Sadhana
G. Venu

Navarasa sadhana (‘Sadhana’ means ‘Ritual’) is the systematic practice of the Nine Rasa-s – the nine sentiments that have been developed and practiced since more than two thousand years in India: the erotic, the comic, the pathetic, the furious, the heroic, the terrible, the odious, the marvelous and the state of tranquility. The workshop guides the participants through the experience of the Nine Rasa-s through a combination of „codified“ (or guided) embodiment and an opening of inner processes.

Having been conceived in the vedic – context, the Nava Rasa-s traditionally grew out of the temple-context, to elaborate themes of Hindu Gods and Mythology. Sri Venu G.’ s Nava rasa Ritual/Sadhana preserves the knowledge on the relationship of physicality and transpersonality and at the same time opens the practice to non-traditional performers. He codified the system of Sadhana in a way so that actors from all kind of performance genres, also from western traditions, will be able to incorporate the practice of the Nine Rasa-s into their own trainings.

The workshop offers an insight into this contemporary approach to an Indian Performance Tradition and – through Sri Venu G’s vast experience in the field of transcultural performance exchange – offers the chance of contextualising it in a global performance context.

 

Beschreibung der Vorträge 

 

Die Vorträge Donnerstag

Einführungsvortrag: Johannes B. Schmidt – Wir spielen hier (kein) Theater – Das Transzendente in der Psychotherapie

Jeder Mensch, der die Verbindung zum Spirituellen verloren hat, ist mit sich selbst überfordert und (be-)kümmert. Der Kontakt mit der Welt stellt sich nicht ein, und die Flucht ins Denken beginnt, wo Unmittelbarkeit des Lebens bedrohlich wirkt.

Damit unsere Seele und Psyche es wagt, Wirklichkeit zu erfahren, brauchen wir die erfahrbare Verbindung zur Transzendenz. Gehalten sein, von wo anders her, um ganz hier sein zu können und sich vom Leben leben zu lassen.

Heilt “Therapie”? Oder ist es heilsam einen Menschen dorthin zu begleiten, sich von etwas Unbennbarem berühren zu lassen, das als transzendent erlebt werden kann? Dann wird für Therapeut und Klient gleichermaßen Heilung erfahrbar, denn Heilung ist nicht teilbar. Tiefenstille und Ehrfurcht stellen sich ein. Beide bleiben berührt und belebt von “Etwas” zurück.

 

Transformation und Relevanz von „Altem Wissen“ – Evening Talk mit Venu G., im Gespräch mit William Sax und Annette Hornbacher  
Was können Europäisches Theater (und Theatertherapeuten) vom Klassischem Indischem Tanztheater und seiner Emotions-Verkörperung lernen? Zugang zu einer sonst unsichtbaren Realität? Ist die Wirkung unabhängig vom kulturellen Kontext? Warum bezeichnet Venu G. sein Training zu den 9 Emotionen (Nava Rasa) als „Sadhana“, also als Ritual? Was hat sich als der Kern gezeigt, der diese indischen Tanztheaterformen für heute so relevant bleiben lässt? Welche Ein-Sichten geben die Forschungen von W. Sax und Annette Hornbacher zu diesen Fragen?

 

Liane Hofman – Was sind spirituelle Krisen und wie können wir Menschen in einer  solchen Krise begleiten?  – Facetten eines vielschichtigen Phänomens

Der Vortrag geht zunächst auf die Entwicklungsgeschichte der Spirituelle-Krisen-Thematik ein und reflektiert deren aktuelle gesellschaftliche und gesundheitswissenschaftliche Relevanz. Im weiteren  gehen wir der Frage nach, wodurch sich eine spirituelle Krise auszeichnet, indem wir uns grundlegende Definitionen, Charakteristika und Erscheinungsformen von spirituellen Krisen näher anschauen. Zum Abschluss wollen wir den Raum und die Diskussion für die Frage öffnen, welche Formen der Begleitung für Menschen in solchen transformativen Prozessen unterstützend sind und ob sich hierbei auch theatertherapeutische Ansätze als hilfreich erweisen könnten.

 

Die Vorträge am Samstag

Vortrag 1:
William Sax – Theatrale Rituale als kollektive Therapie

The borders between ritual, therapy, and drama are very fluid: ritual has therapeutic effects, therapy makes use of dramatic forms, and drama takes ritual forms.  In this paper I discuss the  dramatic/theatrical aspects of ghost exorcisms as collective rituals among the Dalits (the  former ‚untouchables‘) of Uttarakhand in the Western Himalaya and advance my theory, why ritual is often therapeutic..

Vortrag 2:
Annette Hornbacher – Besessenheit als Medium von Diagnose und Therapie: Tanz und Transgression auf Bali

Tänzer und Darsteller sind auf Bali (und Java) nicht Medien zur Vermittlung bestimmter menschlicher Emotionen, sondern Medien der Manifestation einer – sonst unsichtbaren – Realität der Ahnen und Geister.

Aus diesem Grund gehen Tanz und Trancebesessenheit hier oft ineinander über und diese performativen Dissoziationen werden nicht als pathologische Verhaltensweisen – oder als Abbau von persönlichem Stress- gesehen, sondern als ‚Fenster‘ durch das die Gemeinschaft in Austausch mit dem Göttlichen treten kann. Ein therapeutischer Effekt zielt nicht auf Individuen, sondern auf die ganze Gruppe. 

Vortrag 3:
Susana Pendzik – The Invisible in Dramatherapy

This speech explores the notion of the ‘invisible’ in drama therapy, in dialogue with four interrelated bodies of knowledge: shamanism, theatre/arts, psychotherapy, and spirituality, focusing on a genuine tool of drama therapy: The Invisible …

 Vortrag 4:

Ingrid Lutz – „Ritual & Heilung – oder – Was soll das ganze ‚Theater‘, wozu macht Theatertherapie Sinn?

Ingrid faßt hier zur Vorbereitung der folgenden Diskussion in aller Kürze die Ergebnisse ihrer mehr als 20-jährigen Forschung und Suche zur Wirkweise von Ritual und Theater zusammen und stellt Thesen auf zu Sinn und Aufgabe theatertherapeutischer Arbeit angesichts der Herausforderungen unserer Zeit in Gegenwart und Zukunft.

Hinweis:
Einige Workshops und Vorträge werden auf englisch, andere auf deutsch gehalten – im Programm werden sie in der entsprechenden Sprache beschrieben. Für die, die wenig Englisch sprechen, stellen sich in der Regel andere Teilnehmer zum Übersetzen zur Verfügung, einfach fragen!