Berufsbegleitende Weiterbildung in Theatertherapie
2021 – 2025 (Berlin VIII)

Die Weiterbildung zur Theatertherapeut*in in Berlin wird in Kooperation mit der Kath. Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) durchgeführt und von ihr zertifiziert.

Die Theatertherapie ist eine der vier künstlerischen Therapieformen (neben Musik-, Tanz- und Kunsttherapie) und findet zunehmend Anwendung in den verschiedensten sozialen Arbeitsfeldern, dem Gesundheitswesen und in Management/Coaching und Teambildung. Über die handlungsorientierte Anwendung künstlerischer Medien und Prozesse stellt sie eine fruchtbare Verbindung zwischen der ursprünglichen Heilfunktion des Theaters und den Verfahren moderner Psycho- und Sozialtherapien her. Als künstlerische Therapie legt sie ihren Fokus auf kreative Prozesse, bei dem Zugänge zu vorhandenen Ressourcen gesucht werden. Gegenwartsbezogene und handlungsorientierte Aspekte sowie die therapeutische Beziehung stehen im Vordergrund.
Der Schwerpunkt der Weiterbildung am Standort Berlin liegt in körpertherapeutischen Verfahren und dem performativen Prozess in der Theatertherapie auf der Basis eines systemischen Grundverständnisses.

ZIELGRUPPE
Diese berufsbegleitende Weiterbildung richtet sich an Menschen, die in heilenden, künstlerischen und pädagogischen Berufsfeldern oder in der Organisations- und Personalentwicklung tätig sind und die vielfältigen Ressourcen des Mediums Theater in ihren Arbeitsbereichen therapeutisch anwenden wollen, z.B. Ärzte/Ärztinnen, Therapeut*innen, Sozialpädagog*innen, Schauspieler*innen, Alten-/Gesundheitspfleger*innen, im Management Tätige u.a.

ARBEITSFELDER
Theatertherapie kann in klinischen und psychosozialen Feldern als Einzel-, Paar- und Gruppentherapie angewandt werden.
Theatertherapeuten arbeiten z. B. in

  • psychiatrischen/psychosomatischen/psychotherapeutischen Kliniken und Einrichtungen
  • Suchteinrichtungen
  • ambulanten und stationären Einrichtungen der Jugendhilfe
  • in Projekten und Einrichtungen für Geflüchtete, Migranten, Traumatisierte u.a.
  • Schulprojekten und Brennpunktschulen
  • Justizvollzugsanstalten und Bewährungshilfe
  • Frauenhäusern
  • Beratungsstellen
  • Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe
  • Hospizen
  • den Bereichen Coaching, Teambildung, Organisations- und Managementberatung
  • in freier Praxis

 

TEILNAHMEVORAUSSETZUNG

  • Mindestalter 25 Jahre
  • abgeschlossene Berufsausbildung/Studium und Berufserfahrung
  • mind. 60 Stunden Eigentherapie (können z. T. während der Ausbildungszeit absolviert werden)
  • Teilnahme an einem der Zulassungsseminare

 

ZIELE DER WEITERBILDUNG
Die TeilnehmerInnen werden dazu befähigt, mit unterschiedlichen Zielgruppen in psycho- und soziotherapeutischen Arbeitsfeldern theatrale Medien als künstlerische Therapiemethode sowohl für Einzelne als auch für Gruppen einzusetzen. Dazu erwerben sie:

  • Elemente des künstlerischen Theater-»Handwerks« in ihrer Anwendung für therapeutische Ziele: Körper-, Atem-, Stimm- und Textarbeit, Szenen- und Rollengestaltung, Inszenierung/Regie
  • Grundlagen des psychotherapeutischen »Handwerks«: Entwicklungs- und Heilungsmodelle, Krankheitsbilder/Psychopathologie, Diagnostik, Interventionstechniken/Krisenintervention, Gruppendynamik, therapeutische Beziehung und Haltung
  • Theatertherapeutische Methoden und ihre Indikation: Analyse von Körper- und Symbolsprache, Rollendiagnostik, theatertherapeutische Prozessbegleitung und biographisch zentrierte Szenenarbeit, theatrale Intervention, Arbeit mit Ritualen und imaginativen Verfahren
  • Theatertherapeutische Ansätze zur Erprobung sowie Erschließung neuer Perspektiven. zur Förderung von Flexibilität und Anpassungsfähigkeit in der Balance von individueller Autonomie und Einbindung in Systemstrukturen.
  • Besonders wichtig ist es uns, in der Theatertherapie eine Begegnung mit existentiellen Themen des Menschseins im nicht-alltäglichen Raum zu ermöglichen als Basis zur individuellen und kollektiven Sinngebung.
  • Die Entwicklung einer therapeutischen Haltung, die dazu befähigt, innere Prozesse bei sich und anderen mit Achtsamkeit wahrzunehmen, zu reflektieren und entwicklungsfördernd zu nutzen.

 

STRUKTUR DER WEITERBILDUNG

Die Theatertherapie ist eine hochwirksame Therapieform, die über körper- und imaginationsaktivierende Methoden direkten Zugang zu unbewussten und oft frühen vorsprachlichen Themen ermöglicht. Dieses Instrument bedarf – verantwortlich angewandt – einer sehr gründlichen Ausbildung und eines gut begleitenden Entwicklungsprozesses des/der angehenden Theatertherapeut*in, der auch die Auseinandersetzung mit existentiellen persönlichen und kollektiven Themen beinhaltet.

Wir bieten unsere berufsbegleitende Weiterbildung als 4-jährige Ausbildung an und richten uns damit nach den Vorgaben der BAG-KT, dem Zusammenschluss der Berufsverbände Künstlerischer Therapien in Deutschland. Die BAG-KT setzt sich für die Etablierung der Künstlerischen Therapie im deutschen Gesundheitswesen ein und erstellt dafür Richtlinien zur Qualitätssicherung, die für alle Künstlerischen Therapien – Kunst-, Musik, Tanz- und Theatertherapie – eine mind. 4-jährige Ausbildung mit einer Mindestzahl an Unterrichts- und Supervisionsstunden vorsieht.

Unsere 4-jährige Weiterbildung umfasst 1.200 UE mit einem Gesamt- Workload von 3.175 Stunden, bestehend aus:

  • 17 Ausbildungsmodulen, zwei dieser Module sind die jährlich von der DGfT durchgeführten Sommerakademien, einem 4-tägigen internationalen Symposium zu aktuellen Theatertherapieansätzen in Theorie/Forschung und Praxis
  • selbstorganisierten regionalen Lern- und Intervisionsgruppen
  • einem Praktikum in einem künstlerischen oder therapeutischen Arbeitsfeld
  • einem Assessment nach dem dritten Jahr als Zulassung zur Praxisphase
  • einer Anwendungsphase im vierten Jahr in einem selbstgewählten Praxisfeld, bei dem das Gelernte in einem theatertherapeutischen Projekt angewandt wird unter supervisiorischer Begleitung (3 Supervisions-Wochenenden + 40 Std. Einzel-/Gruppensupervision)

 

INHALTE DER WEITERBILDUNG UND TERMINE

Zulassungsseminar
Das Zulassungsseminar bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, die Arbeitsweise der Theatertherapie kennenzulernen, um entscheiden zu können, ob diese Weiterbildung das Richtige für sie ist. Den Dozierenden dient das Zulassungswochenende dazu, die Teilnehmenden bei der Arbeit kennenzulernen, um Ihnen dann Rückmeldung geben zu können, ob wir unsrerseits eine Teilnahme an der Weiterbildung für sinnvoll erachten. Dazu ist vor allem die Klärung der Motivation wichtig und die Bereitschaft und Fähigkeit, sich auf therapeutische Prozesse und das Medium Theater einzulassen.

Termine:
16./17.01.2021 oder 30./31.01.2021
(Sa 10:00 – 18:00 Uhr, So 10:00 – 14:00 Uhr, danach ist bei Bedarf Zeit für Einzelgespräche)

Wenn die Teilnahme an den hier angegebenen Terminen nicht möglich ist, kann im Ausnahmefall ein Ersatztermin vereinbart werden.

 

Termine und Themen der Module:
Die Module beginnen jeweils am Mittwoch um 18 Uhr und enden am Sonntag um 14 Uhr.
Arbeitszeiten: Mi 18 – 21:30 Uhr, Do & Fr 10:00 – ca. 20 Uhr, Sa 10 – ca. 21 Uhr, So 10 – 14 Uhr

1. PHASE
Im ersten Jahr der Weiterbildung werden die Grundlagen theatertherapeutischen Arbeitens in der Eigenerfahrung von bewegungs- und theatertherapeutischen Methoden vermittelt. Parallel zu dieser intensiven Selbsterfahrung werden theatertherapeutische Theorieansätze ebenso wie Grundkonzepte der Psychotherapie, systemischer und körpertherapeutischer Ansätze und Theatertheorien in ihrer Relevanz für therapeutische Prozesse erarbeitet.

Modul 1   21.04 – 25.04.2021
„Die Welt ist eine Bühne“ – Einführung in die Basiskonzepte und die therapeutische Haltung der Theatertherapie

Modul 2   02.06 – 06.06.2021
Der Körper als Ausdrucks- und Prozessmedium in der Theatertherapie

Modul 3   25.08 – 29.08.2021
Bindung und Spiel als Grundlagen menschlicher Entwicklung

Modul 4   17.11 – 21.11.2021
Systemische Ansätze in der Theatertherapie

Modul 5   02.02 – 06.02.2022 
Chaos und Ordnung, Ritual und Heilung

Modul 6   27.04 – 01.05.2022
Künstlerische Gestaltung und Aufführungsentwicklung als therapeutischer Prozess

 Modul 7 im Zeitraum Juni/Juli 2022 (der genaue Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben)
Int. Sommerakademie zu verschiedenen aktuellen Themen der Theatertherapie mit internationalen Fachdozenten

2. PHASE
Die 2. Ausbildungsphase ist der Anwendung der Theatertherapie zur Gestaltung und Steuerung von therapeutischen Prozessen bei verschiedenen Symptombildern und Zielgruppen gewidmet.

Modul 8   21.09 – 25.09.2022
Grundlagen und Gestaltung von Veränderungsprozessen – Symbolbildung vs Symptombildung – Verständnis von Psychosomatik in der Theatertherapie

Modul 9   23.11 – 27.11.2022
Therapeutische Haltung und Identität – Heilungsmodelle und die Rolle des/der Therapeut*in

Modul 10   01.02 – 05.02. 2023
Theatertherapeutische Prozessgestaltung bei den Symptombildern „Depression, Angst, Zwang“

Modul 11   10.05 – 14.05.2023 
Theatertherapeutische Prozessgestaltung bei den Symptombildern „Trauma und Sucht“

Modul 12   im Zeitraum Juni/Juli 2023 (der genaue Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben)
Int. Sommerakademie zu verschiedenen aktuellen Themen der Theatertherapie mit internationalen Fachdozenten

Modul 13   20.09 – 24.09.2023
Theatertherapeutische Prozessgestaltung bei den Symptombildern „Persönlichkeitsstörungen, Borderline u.a., Krisenintervention

Modul 14   22.11 – 26.11.2023
Theatertherapie in der Einzeltherapie und mit spezifischen Zielgruppen

3. PHASE
Die 3. Phase der Ausbildung dient der Entwicklung der persönlichen Identität als Theatertherapeut*in bei der Übung der Therapeutenrolle im sicheren Kontext der Ausbildungsgruppe. Zentral dabei ist die beständige Überprüfung des eigenen therapeutischen Handelns und der persönlichen Übertragungsmuster als ethische Grundhaltung eines/einer Therapeut*in

Modul 15   31.01 – 04.02.2024
Therapieplanung, Assessment und Forschung in der Theatertherapie: Reflexion und Evaluation therapeutischen Handelns

Modul 16   17.04 – 21.04.2024
Anwendungsorientierte Supervision – Verhaltens- und Übertragungsmuster in Krisensituationen

Modul 17   05.06 – 09.06.2024
Persönliches Profil und Visionsentwicklung als Theatertherapeut*in

Modul 18   04.09 – 08.09.2024
Abschlusskolloquium/Assessment
Bei diesem Assessment zum Abschluss des 3. Jahres der Ausbildung leiten die Teilnehmer*innen einen 20 – 30 minütigen Ausschnitt eines fiktiven theatertherapeutischen Prozesses und begründen und reflektieren diesen in einem anschließenden Gespräch sowohl im Hinblick auf die therapeutische Prozessgestaltung und die persönliche Haltung als Theatertherapeut*in, als auch des theoretischen Hintergrunds. Das Assessment dient der Zulassung zur Praxisphase der Ausbildung.

4. PHASE
Begleitete Anwendungsphase im Praxisfeld 

Im Zentrum dieser Ausbildungsphase steht die eigenständige Durchführung eines theatertherapeutischen Prozesses in einem selbst gewählten Praxisfeld unter supervisorischer Begleitung und der anschließenden Dokumentation und Reflexion dieser praktischen Erfahrungen in der Abschlussarbeit.

Die 3 Supervisions-Wochenenden mit der Gesamtgruppe während dieser Phase (Modul 19) dienen der Begleitung und Unterstützung der individuellen therapeutischen Arbeit der Weiterbildungsteilnehmer*innen in ihrem Praxisfeld. Sie befassen sich mit

  • der Vertiefung der Methodensicherheit und Identitätsbildung als Theatertherapeut*in
  • der Auftragsklärung, Zielvereinbarungen und der Dokumentation
  • der Fallsupervision mit besonderem Augenmerk auf Übertragungsphänomene
  • des Umgangs mit Selbstfürsorge und der Stärkung persönlicher Ressourcen

Termine:
WE 1   05. – 07.07.2024
WE 2   20. – 22.09.2024
WE 3   08. – 10.11.2024

Die Wochenenden starten am Freitagabend um 18 Uhr mit einer Intervisions-Einheit. Die von den Dozent*innen begleitete Arbeitsphase beginnt am Samstag um 10 Uhr und endet am Sonntag um 15 Uhr. Die Termine der 30 Stunden Kleingruppen- oder Einzelsupervision werden von den Weiterbildungsteilnehmenden individuell mit den Lehrsupervisor*innen vereinbart.

 

ABSCHLUSS

Die Ausbildung wird nach dem 4. Jahr abgeschlossen mit einer schriftlichen Dokumentation und Reflexion zum Praxisfeld und der Entwicklung der persönlichen Identität als Theatertherapeut*in, die von 2 Dozent*innen beurteilt und abgenommen wird.

Die Teilnehmer*innen erhalten ein Zertifikat von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen, das den Abschluss als Künstlerische*r Therapeut*in/Theatertherapie bescheinigt und zur selbständigen Anwendung von Theatertherapie für Einzelne und Gruppen berechtigt.

 

KOSTEN

9.360 € insg. für 4 Jahre (ohne Unterkunft und Verpflegung), zahlbar in vierteljährlichen Raten, die Kosten für die drei Wochenenden der Praxisfeldphase im vierten Jahr sind darin enthalten, nicht die Einzel- bzw. Gruppensupervision der Praxisfeldbegleitung (dafür sind zusätzlich min. 600 € insg. zu veranschlagen)

  • 200 € Zulassungsseminar
  • 250 € für das Abschluss-Assessment nach dem 3. Jahr
  • 250 € Betreuung der Abschlussdokumentation durch 2 Dozenten                                                                                                                                                                                                                      

VERANSTALTUNGSORT

Europäisches Theaterinstitut (ETI)
Rungestr. 20
10179 Berlin
(ausgenommen die zwei Sommerakademien 2022 und 2023) 

 

GESAMTLEITUNG
Ingrid Lutz und Franca Casabonne


LEITUNGSTEAM
Daniela Debald
Betti Merschmeyer
Mona Rauscher
Wilhelm Seidel
Bettina Stoltenhoff-Erdmann

Fachdozenten für spezifische Inhalte:
Karl Lesehr
Klaus Möller

 

INFORMATION UND ANMELDUNG
Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin
Referat Weiterbildung
Köpenicker Allee 39 – 57
10318 Berlin

Margit Wagner, Tel. 030 50101047
Email: margit.wagner@khsb-berlin.de
Link zum Anmeldeformular: www.khsb-berlin.de

Zu inhaltlichen Fragen:
Ingrid Lutz, lutz(at)theatertherapie.org