Curriculum der berufsbegleitenden Weiterbildung in Theatertherapie 2020 – 2024

(Baden-Württemberg VIII, Standort Ludwigsburg)

Die Weiterbildung zur/zum Theatertherapeut*In wird in Kooperation der Deutschen Gesellschaft für Theatertherapie (DGfT) mit der WAF Weiterbildungsakademie an der HfWU (Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen) durchgeführt und von der WAF Weiterbildungsakademie zertifiziert.

Die Theatertherapie ist eine künstlerische Therapieform, die seit über 50 Jahren in den USA, England und den Niederlanden fest etabliert ist, zunehmend auch im deutschen Raum. Sie stellt eine fruchtbare Verbindung zwischen der ursprünglichen Heilfunktion des Theaters und Verfahren moderner Psycho- und Sozialtherapien her. Als künstlerische Therapie legt sie ihren Fokus auf kreative Prozesse, bei denen Zugänge zu vorhandenen Ressourcen gesucht werden. Gegenwartsbezogene und handlungsorientierte Aspekte sowie die therapeutische Beziehung stehen im Vordergrund.

Der Schwerpunkt der Weiterbildung am Standort Süddeutschland liegt in der Anwendung therapeutischer Verfahren auf der Basis eines systemischen Grundverständnisses in der Arbeit mit Organisationen im sozialen und gesellschaftlichen Umfeld und umfasst die Einzel- wie auch Gruppentherapie.

 

ZIELGRUPPE

Diese berufsbegleitende Weiterbildung richtet sich an Menschen, die die vielfältigen Ressourcen des Mediums Theater in ihren Arbeitsbereichen therapeutisch anwenden wollen, z. B. Sozialpädagog*innen, Schauspieler*innen, Therapeut*innen, Ärzt*innen, in der Organisations- und Personalentwicklung Tätige u. a.

 

ARBEITSFELDER
Theatertherapie kann in klinischen und psychosozialen Feldern als Einzel-, Paar- und Gruppentherapie angewandt werden.
Theatertherapeut*innen arbeiten z.B. in

  • psychiatrischen/psychosomatischen/psychotherapeutischen Kliniken und Einrichtungen
  • Suchteinrichtungen
  • ambulanten und stationären Einrichtungen der Jugendhilfe
  • in Projekten und Einrichtungen für Geflüchtete, Migrant*innen, Traumatisierte u.a.
  • Schulprojekten und Brennpunktschulen
  • Justizvollzugsanstalten und Bewährungshilfe
  • Frauenhäusern
  • Beratungsstellen
  • Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe
  • Hospizen
  • den Bereichen Coaching, Teambildung, Organisations- und Managementberatung
  • in freier Praxis
     

TEILNAHMEVORAUSSETZUNGEN

  • Mindestalter 25 Jahre
  • abgeschlossene Berufsausbildung/Studium und Berufserfahrung
  • mind. 60 Std. Eigentherapie
  • Teilnahme an einem der Zulassungsseminare

ZIELE DER WEITERBILDUNG
Die Teilnehmer*innen werden dazu befähigt, mit unterschiedlichen Zielgruppen in psycho- und soziotherapeutischen Arbeitsfeldern theatrale Medien als künstlerische Therapieverfahren sowohl für Gruppen als auch für Einzelne einzusetzen. Dazu erwerben sie:

  • Elemente des künstlerischen Theater-»Handwerks«: Körper-, Atem-, Stimm-, Sprach- und Textarbeit, Schauspieltechniken, Szenen- und Rollengestaltung, Inszenierung/Regie
  • Grundlagen des psychotherapeutischen »Handwerks«: Entwicklungs- und Heilungsmodelle, Krankheitsbilder/Psychopathologie, Diagnostik, Interventionstechniken/Krisenintervention, Gruppendynamik, therapeutische Beziehung und Haltung
  • Theatertherapeutische Methoden und ihre Indikation: Analyse von Körper- und Symbolsprache, Rollendiagnostik, theatertherapeutische Prozessbegleitung und biographisch zentrierte Szenenarbeit, theatrale Intervention, Arbeit mit Ritualen und imaginativen Verfahren
  • Theatertherapeutische Ansätze zur Erprobung sowie Erschließung neuer Perspektiven im Zusammenspiel von individueller Autonomie und Systemstrukturen zur Förderung von Flexibilität und Anpassungsfähigkeit.
  • Im nichtalltäglichen Raum die Begegnung mit existentiellen Themen des Menschseins und der individuellen und kollektiven Sinngebung möglich und sichtbar zu machen.

Entwicklung einer therapeutischen Haltung, die dazu befähigt

  • innere Prozesse wahrzunehmen und zu reflektieren
  • Gedanken, Gefühle und Körper im Hier und Jetzt mit Achtsamkeit wahrzunehmen und gegenwärtig zu sein
  • den Raum zu schaffen, der Entwicklung der Klient*innen zu dienen.

 

STRUKTUR DER WEITERBILDUNG
Die Theatertherapie ist eine hochwirksame Therapieform, die über körper- und imaginationsaktivierende Methoden direkten Zugang zu unbewussten und oft frühen vorsprachlichen Themen ermöglicht. Dieses Instrument bedarf –verantwortlich angewandt- einer sehr gründlichen Ausbildung und eines gut begleitenden Entwicklungsprozesses des/der angehenden Theatertherapeut*in, der auch die Auseinandersetzung mit existentiellen persönlichen und kollektiven Themen beinhaltet.

Wir bieten unsere berufsbegleitende Weiterbildung als 4-jährige Ausbildung an und richten uns nach den Vorgaben der BAG-KT, dem Zusammenschluss der Berufsverbände Künstlerischer Therapien in Deutschland. Die BAG-KT setzt sich für die Etablierung der Künstlerischen Therapie im deutschen Gesundheitswesen ein und erstellt dafür Richtlinien zur Qualitätssicherung, die für alle Künstlerischen Therapien – Kunst-, Musik, Tanz- und Theatertherapie – eine mind. 4-jährige Ausbildung mit einer Mindestzahl an Unterrichts- und Supervisionsstunden vorsieht.

Unsere 4-jährige Weiterbildung umfasst 1.200 UE mit einem Gesamt- Workload von 3.175 Stunden, bestehend aus:

  • 17 Ausbildungsmodulen, zwei dieser Module sind die jährlich von der DGfT durchgeführten Sommerakademien, einem 4-tägigen internationalen Symposium zu aktuellen Theatertherapieansätzen in Theorie/Forschung und Praxis
  • selbstorganisierten regionalen Lern- und Intervisionsgruppen
  • einem Praktikum in einem künstlerischen oder therapeutischen Arbeitsfeld
  • einem Abschlusskolloquium nach dem dritten Jahr
  • einer begleiteten Anwendungsphase in einem selbstgewählten Praxisfeld im vierten Jahr (3 Supervisions-Wochenenden + 40 Std. Einzel-/Gruppensupervision)

INHALTE DER WEITERBILDUNG UND TERMINE

Zulassungsseminar
Das Zulassungsseminar bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, die Arbeitsweise der Theatertherapie kennenzulernen, um entscheiden zu können, ob diese Weiterbildung passend für sie ist. Den Dozent*innen dient das Zulassungswochenende dazu, die Teilnehmenden bei der praktischen Arbeit kennenzulernen, um ihnen dann Rückmeldung geben zu können, ob sie ihrerseits eine Teilnahme an der Weiterbildung für sinnvoll erachten. Dazu ist vor allem die Klärung der Motivation wichtig und die Bereitschaft und Fähigkeit, sich auf therapeutische Prozesse und die Medien Körper und Theater einzulassen.

4. – 5. Juli oder 18. – 19. Juli 2020
(Sa 10 – 19 Uhr, So 10 – 15 Uhr)
Der ursprünglich vorgesehene Termin am 18. – 19. April entfällt aufgrund der aktuellen Situation bzgl. COVID 19.

Wenn die Teilnahme an den hier angegebenen Terminen nicht möglich ist, kann im Ausnahmefall ein Ersatztermin vereinbart werden.

Termine und Themen der Module:
Die Module beginnen jeweils am Mittwoch um 18 Uhr und enden am Sonntag um 14 Uhr.
Arbeitszeiten: Mi 18 – ca. 21:30 Uhr, Do & Fr 10:00 – ca. 20 Uhr, Sa 10 – ca. 21 Uhr, So 10 – 14 Uhr

1. Phase:
Das erste Jahr der Weiterbildung dient der Eigenerfahrung von bewegungs- und theatertherapeutischen Methoden und der Erarbeitung der grundlegenden Theorieansätze

Modul 1 04. – 08.11.2020
Basiskonzepte der Theatertherapie: „Die Welt ist eine Bühne“ – Theater als Kartographie des inneren Raumes
Die Bühne als therapeutischen Raum etablieren und erfahrbar werden lassen

Modul 2 13. – 17.01.2021
Grundlagen theatertherapeutischen Arbeitens I:
Der Körper als Ausdrucks- und Prozessmedium in der Theatertherapie

Modul 3  17. – 21.03.2021
Bindung und Spiel als Grundlagen menschlicher Entwicklung 

Modul 4 30.06. – 04.07.2021
Systemische Ansätze in der Theatertherapie

Modul 5 25. – 29.08.2021
Grundlagen theatertherapeutischen Arbeitens II:
Chaos und Ordnung, Ritual und Heilung

2. Phase:
Die 2. Ausbildungsphase ist der Anwendung der transformativen Kraft des Theaters in Verbindung mit Ansätzen der modernen Psychologie und Psychotherapie zur Gestaltung und Steuerung von therapeutischen Prozessen gewidmet.

Modul 6 20. – 24.10.2021
Grundlagen und Gestaltung von Veränderungsprozessen

Modul 7 26. – 30.01.2022
Therapeutische Haltung und Identität – Die Rolle der/des Therapeut*in

Modul 8 09. – 13.03.2022
Künstlerische Gestaltung und Aufführungsentwicklung als therapeutischer Prozess

Modul 9 Juni 2022 (der genaue Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben)
Int. Sommerakademie zu verschiedenen aktuellen Themen der Theatertherapie mit internationalen Fachdozenten

3. Phase:
Theatertherapie in der Anwendung bei verschiedenen Krankheitsbildern und Zielgruppen

Modul 10 07. – 11.09.2022
Krankheitsbilder 1 (Depression, Angst, Zwang) und theatertherapeutische Methoden

Modul 11 09. – 13.11.2022
Krankheitsbilder 2 (Trauma, Sucht) und theatertherapeutische Methoden

Modul 12 08. – 12.02.2023
Krankheitsbilder 3 (Persönlichkeitsstörungen: Borderline u.a.), Krisenmanagement, Therapieplanung und Evaluation

Modul 13 19. – 23.04.2023
Theatertherapeutische Methoden in der Einzeltherapie

Modul 14 Juni 2023 (der genaue Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben)
Int. Sommerakademie zu verschiedenen aktuellen Themen der Theatertherapie mit internationalen Fachdozenten

Modul 15 20. – 24.09.2023
Theatertherapie mit spezifischen Zielgruppen

4. Phase:
Entwicklung der persönlichen Identität als Theatertherapeut*in

Modul 16 29.11. – 03.12.2023
Anwendungsorientierte Supervision & Assessment

Modul 17 07. – 11.02.2024
Persönliches Profil und Implementierung als Theatertherapeut*in / Visionsentwicklung

Modul 18 20. – 24.03.2024
Abschlusskolloquium/Assessment

Bei diesem Assessment zum Abschluss des 3. Jahres der Ausbildung leiten die Teilnehmer*innen einen 20 – 30 minütigen Ausschnitt eines fiktiven theatertherapeutischen Prozesses und begründen und reflektieren diesen in einem anschließenden Gespräch sowohl im Hinblick auf die therapeutische Prozessgestaltung und die persönliche Haltung als Theatertherapeut*in, als auch des theoretischen Hintergrunds. Das Assessment dient der Zulassung zur Praxisphase der Ausbildung.

5. Phase:
Begleitete Anwendungsphase im Praxisfeld

Im Zentrum dieser Ausbildungsphase steht die eigenständige Durchführung eines theatertherapeutischen Prozesses in einem selbst gewählten Praxisfeld unter supervisorischer Begleitung und einer anschließenden Dokumentation und Reflexion dieser praktischen Erfahrungen in der Abschlussarbeit.

Die 3 Supervisions-Wochenenden mit der Gesamtgruppe während dieser Phase (Modul 19) dienen der Begleitung und Unterstützung der individuellen therapeutischen Arbeit der Weiterbildungsteilnehmer*innen in ihrem Praxisfeld. Sie befassen sich mit Fragen und Erfahrungen

  • der individuellen und institutionellen Möglichkeiten und Grenzen der theatertherapeutischen Arbeit
  • des Settings, der Auftragsklärung, Zielvereinbarungen und der Dokumentation
  • der Anwendung theatertherapeutischer Methoden in unterschiedlichen Arbeitsfeldern und Zielgruppen als auch der Betrachtung der „neuen“ Rolle und Identität als Theatertherapeut*in
  • des Umgangs mit Selbstfürsorge und der Stärkung persönlicher Ressourcen
  • der Fallsupervision mit besonderem Augenmerk auf Übertragungsphänomene

WE 1 05. – 07.07.2024
WE 2 20. – 22.09.2024
WE 3 08. – 10.11.2024

Die Wochenenden starten am Freitagabend um 18 Uhr mit einer Intervisions-Einheit. Die von den Dozent*innen begleitete Arbeitsphase beginnt am Samstag um 10 Uhr und endet am Sonntag um 15 Uhr.

Die Termine der 30 Stunden Einzel-/Kleingruppensupervision werden von den Weiterbildungsteilnehmenden individuell mit den Lehrsupervisor*innen vereinbart.

 

ABSCHLUSS
Die Ausbildung wird abgeschlossen mit

  • einer schriftlichen Dokumentation und Reflexion zum Praxisfeld nach dem 4. Jahr, die von 2 Dozent*innen beurteilt und abgenommen wird.

Die Teilnehmer*innen erhalten ein Zertifikat von WAF/DGfT/ITT, das den Abschluss als Künstlerischer Therapeut/Künstlerische Therapeutin/Theatertherapie bescheinigt und zur selbständigen Anwendung von Theatertherapie für Einzelne und in Gruppen berechtigt.

 

KOSTEN

  • 9.360 € insg. für 4 Jahre (ohne Unterkunft und Verpflegung), zahlbar in 36 monatlichen Raten je 260 € die Kosten für die drei Wochenenden der Praxisfeldphase im vierten Jahr sind darin enthalten, nicht die Einzel- bzw. Gruppensupervision der Praxisfeldbegleitung
  • 200 € Zulassungsseminar
  • 250 € für das Abschluss-Assessment nach dem 3. Jahr
  • 250 € Betreuung der Abschlussdokumentation durch 2 Dozenten

VERANSTALTUNGSORT
Film- und Medienzentrum Ludwigsburg
Königsallee 43
71638 Ludwigsburg
(ausgenommen die zwei Sommerakademien 2022 und 2023)

 

GESAMTLEITUNG
Daniela Debald und Wilhelm Seidel

 

LEITUNGSTEAM
Daniela Debald
Ingrid Lutz
Betti Merschmeyer
Mona Rauscher
Wilhelm Seidel
Bettina Stoltenhoff-Erdmann
und ggf. Fachdozent*innen für spezifische Inhalte

 

INFORMATION UND ANMELDUNG    
WAF Weiterbildungsakademie
an der HfWU (Hochschule für Wirtschaft und Umwelt) Nürtingen-Geislingen
Neckarsteige 6 – 10
72622 Nürtingen

Sandra Kunz
Telefon: +49 7022 201180
E-Mail: sandra.kunz@hfwu.de

Anmeldung zu den Zulassungsseminaren
über das Institut für Theatertherapie:
Martina Hoffmann-Seidel
Telefon +49 1523 8501660
E-Mail: hoffmann-seidel@theatertherapie.org

Zu inhaltlichen Fragen:
Wilhelm Seidel, Mobil: 0173 9220234, E-Mail: info@wilhelm-seidel.de
Daniela Debald, Telefon: 0163 3844162, E-Mail: ddebald@posteo.de