Beschreibungen der Workshops und Masterclasses 2017-03-27T12:27:22+00:00

Beschreibungen der Workshops und Masterclasses

DIE WORKSHOPS (Do. und Fr.)

Workshop 1:
Der Narr und die Rollen, die wir spielen
Franki Anderson (Großbritannien)
Franki spielt die Leiterin und lädt in dieser Rolle die Spieler_innen ein, den leeren Raum der Bühne zu betreten und die Rollen, die wir spielen, zu erforschen, ob selbst gewählt oder auferlegt. So begeben wir uns auf eine unbeschwerte Erforschungsreise dieses tiefen Themas, das unsere Leben mehr beherrscht, als wir vielleicht zugeben möchten. Körperbewusstsein und emotionale Wahrnehmung schaffen einen spielnärrischen (playfool) Zugang zur ununterdrückbaren Neugier und natürlichen Spielfreude des Kindes, zu einem Zustand/einer Rolle, die Franki den Narren (the Fool) nennt.

Workshop 2:
Die Rolle der/s „Alten Weisen“ aktivieren – Dramatherapie mit alten Menschen
Dovrat Harel, M.A. (Israel)
Ältere Menschen erleben meist einen Verlust vieler Rollen ihres bisherigen Lebens und stehen vor der Herausforderung, dennoch ihre Identitäten zu bewahren. In der Dramatherapie bekommen sie die Möglichkeit, sich selbst neu zu definieren, alte Rollen wieder aufzusuchen oder einzufordern und neue Rollen auszuprobieren, die sie sich vielleicht aneignen möchten. Der Workshop legt einen Fokus darauf, die auch im Alter noch erhaltenen Fähigkeiten zu nutzen, besonders Kreativität und Spielfreude, um ein positives Selbstbild zu fördern und das, was Erikson als ‚Ich-Integrität‘ beschreibt.

Workshop 3:
Playbacktheater – Schnittstelle von Kunst, Ritual und Sozialem: Basale Formen und Anwendung in Zeiten von Flucht, Krieg, Diskriminierung und Polarisierung
Jutta Heppekausen (Freiburg/Spanien) und Henk Göbel (Berlin)
Dieser Workshop führt praktisch und theoretisch in den Ansatz des Playbacktheaters ein. Diese ritualisierte Form sozial engagierten improvisierten Theaters (nach Fox/Salas) knüpft an die Jahrtausende alte Tradition des mündlichen Theaters an. Durch den Zauber der ästhetisch gestalteten Spiegelung, des Zurückspielens (Play Back), können bisher unerzählte Geschichten sichtbar werden. Playbacktheater öffnet einen Raum der Gemeinschaftsbildung, der gegenseitige Anteilnahme und Perspektivenwechsel ermöglicht, in dem Verbindendes, Widersprüche und Unterschiede ihren anerkannten Platz haben.
Im Rahmen von Playbacktheateraufführungen in öffentlichen und geschützten Räumen werden zurzeit auch Erlebnisse, Berührungen sowie transgenerationelle Überlieferungen gespiegelt, die von Flucht, Diskriminierung, Krieg zeugen. Hierfür gilt es künstlerisch wirkungsvolle und hilfreiche Formen zu erproben und zu reflektieren. Deshalb ist der Begriff „Workshop“ im Sinn einer Kontaktaufnahme mit dem Medium „Playbacktheater“ und einer suchenden Werkstattarbeit hier wörtlich zu nehmen.

Workshop 4:
Die Wunde der Heimatlosigkeit – Rituelle Gesten und andere Zugänge der Theatertherapie zum Fremden in uns
Ilil Land-Boss, M.A. (Berlin)
Edward Said spricht vom Exil als einem “unheilbaren Riss“, dessen „essentielle Traurigkeit niemals überwunden werden“ kann. Zahlreiche Menschen auf der Welt können nicht in ihre Heimat zurück. Manche Heimaten existieren schlicht nicht mehr. Oft ist ein Gefühl von Fremdheit und Heimatlosigkeit auf anderer Ebene aber auch Menschen bekannt, die äußerlich eine ‚Heimat‘ haben. Was kann Heimat jenseits eines konkreten geographischen Ortes noch bedeuten? Kann das Gefühl von Heimatlosigkeit zur Ressource werden? Kann diese Wunde unsere Arbeit bereichern, als Motor fungieren? Mit Elementen von Ritualstrukturen, choreographischer Gestenarbeit, Poesie uvm. werden wir uns diesen Fragen theatertherapeutisch nähern.

Workshop 5:
Circles within Circles: Die Familie als Konstellation von Rollentypen
Robert Landy, Ph.D. (USA)
Die Gruppe wird mit dem von Robert Landy entwickelten Modell der fiktiven Familie arbeiten, um ein besseres Verständnis für Rollendynamiken in Familie und Gesellschaft zu bekommen. Die Form des Kreises dient als Bild, um intrapsychische und interpersonale Rollen zu begreifen und Überlegungen dazu anzustellen, wie ein Gefühl von Ganzheit im Selbst, in Familie und Gesellschaft geschaffen werden kann.

Workshop 6:
Der Atem spielt „keine Rolle“. Erfahrungen mit dem unverstellten Körper
Klaus Möller (Tübingen)
Wie ist es, wenn ich mich unter und hinter meine Rollengewohnheiten in der Haltung und der Bewegung des Körpers führen lasse?
Was geschieht, wenn ich meine Füße auf den Grund kommen lasse, wenn ich mich über meinen Rücken dem Hintergrund, dem Unsichtbaren zuwende? Was wird dann aus den Gewohnheiten, Sicherheiten, Stärken, die mir meine vertrauten Rollen geben?
Was erfahre ich beim Kommen- und Gehen-Lassen des Atems, wenn es mich in die Leere, in das Nichts, in die Rollenfreiheit der Ruhe führt?

Workshop 7:
Shakespeare – das Wort – der Schauspieler – Das Spiel mit der Sprache in Shakespeares Theater
Ryszard Nieoczym (Kanada)
Shakespeare, unser Zeitgenosse: Wir werden Shakespeares Text ‘Der Sturm – eine Komödie’ nutzen, um die Arbeit und das Spiel mit Texten zu entdecken und wie Shakespeares Sprache für ein modernes Publikum zugänglich und verständlich gemacht werden kann; ferner werden wir die Texte als Vehikel nutzen für eine multi-gender Besetzung, in der Frauen Männerrollen spielen und andersherum. Ein zentraler Fokus dieser Arbeit liegt auf Atem und Sprechausdruck.

Workshop 8:
Sommernachtstraum – Spiel mit den Rollen aus unseren Träumen
Susana Pendzik, Ph.D. (Israel)
Wie viele Rollen und Figuren haben wir in uns? Wie viele in uns enthaltene Seiten wagen wir nicht anzuerkennen? Gibt es einen Raum in unserem Leben, in dem archetypische Kräfte ihre Rolle spielen dürfen? Wie ist die Beziehung zwischen unseren sozialen Rollen in der alltäglichen Realität und den Rollen unserer Phantasie und Träume? Wie definieren/formen/erschaffen wir unsere Identität? Sind wir Helden und Heldinnen? Wo finden wir unseren inneren Trickster?
Shakespeares Sommernachtstraum bietet wunderbare Rollen, um verschiedene Sphären des Lebens zu erkunden: die feinen und hochgeknöpften Königlichen, die einfachen, aufrichtigen Handwerker und die kreativen und schelmischen Geister. Das Stück bietet sich auch für ein Spiel mit einer Vielfalt von Rollen und Interaktionen an: von wahnsinnig verliebten jungen Paaren zu arrangierten Ehen; von alten und hinfälligen Beziehungen zu unmöglichen sexuellen Abenteuern.
Entlang der komplexen, bunten und ergreifenden Bildsprache des Stückes werden wir Rollenmuster, Stile von Figuren, Interaktionen und Beziehungen erforschen. Wir nutzen Text, Masken, Chorarbeit und ‘Dramatic Resonances’ als Mittel, den Sommernachtstraum zu dekonstruieren und neu zu schaffen als eine einzigartige und dynamische Reise, die sich vor unseren Augen offenbart.

DIE MASTERCLASSES am Sonntag (nur für ausgebildete Theatertherapeut_innen)

Masterclass 1:
Die Rollenmethode der Dramatherapie – Robert Landy, Ph.D.
Robert Landy wird seine Rollentheorie und –methode vorstellen und demonstrieren, die er über 40 Jahren als Therapeut und Forscher entwickelte. Die Teilnehmenden werden über Role Assessment und die Heldenreise auf dem Weg hin zu einer Rollenintegration arbeiten.

Masterclass 2:
The Traps of Shame, Guilt and Fear:
Responsibly addressing racism, xenophobia and cultural difference through Dramatic Resonances
– Susana Pendzik, Ph.D.

DIE WORKSHOPS zur Arbeit mit Geflüchteten am Sonntag (für alle offen)

Workshop A:
Basic Ph in der Praxis: Meinem inneren Helden ins Auge blicken – Therapeutisches Puppenspiel zur Entwicklung von Bewältigungsstrategien – Dovrat Harel, M.A.
Die Arbeit mit Puppen schafft einen geschützten und weniger bedrohlichen Raum zur Selbsterkundung. Das zentrale Prinzip ist die Möglichkeit zur Distanzierung: Das bin nicht ich, sondern die Puppe, die handelt – und die Dinge tut, die ich vielleicht niemals tun würde. Therapeutisches Puppenspiel als Intervention basiert auf Projektion und Identifikation. Es hilft Menschen, verschiedenartige Emotionen auszudrücken, auch schmerzvolle und sogar schädigende, und gleichzeitig ihre Ressourcen zu entdecken und erfahrungsbasierte Selbstbestärkung (empowerment) zu erleben. Die Teilnehmenden an diesem Workshop werden den gesamten Prozess des Therapeutischen Puppenspiels erleben und lernen, wie es im Kontext der Arbeit mit Flüchtenden angewendet werden kann.

Workshop B:
Kunsttherapie in der Arbeit mit heimatvertriebenen Menschen – Carolyn Krüger M.A.
Bei ihrer Ankunft in Deutschland treffen bei vielen Asylsuchenden traumatische Erfahrungen und vielfältige Verluste auf eine unzureichende psychosoziale Versorgung mit sprachlichen und interkulturellen Schwierigkeiten.
In diesem Bereich erhält das Potential der Kunsttherapie nicht zuletzt aufgrund der nonverbalen Möglichkeiten zunehmend Wichtigkeit. Kunst ist in jeder Kultur verankert und kann in Zeiten von Vertreibung und Veränderung eine besondere Bedeutung erhalten. Der kreative Ausdruck bietet zudem Handlungsspielraum für einen neuen Umgang mit schwierigen Erlebnissen und schöpferischen Ressourcen. So wird auch dort die Überwindung von Grenzen ermöglicht, wo es Barrieren auf verschiedenen Ebenen gibt: sowohl verbal und kulturell, als auch psychisch.

DIE DOZENT*INNEN
Franki Anderson
Franki ‘die Närrin’ zehrt aus ihrer Lebenserfahrung, um Menschen in ihrem einzigartigen Prozess der Selbsterforschung zu unterstützen. Von Kindesbeinen an verarbeitete sie eigene Erlebnisse mithilfe von Theater, Tanz und Kunst und entdeckte dann die Grundlagen der Laban Bewegungsanalyse.
Franki gestaltete eine Arbeitsweise, die Präsenz, Annahme und Wertschätzung in den Vordergrund stellt, um die/den inneren Spieler_in zu befreien.

Dovrat Harel
Doktorandin an der Bar-Ilan University, Dozentin an der Graduate School of Creative Arts Therapies, Haifa University und Tel-Hai College, Israel. Dramatherapeutin und Supervisorin in privater Praxis sowie in Tageskliniken für alte Menschen, Schwerpunkt auf Menschen mit Demenz und ihre Familien. Sie ist für Israels Gesellschaft für Alzheimer (EMDA) tätig und entwickelt Programme kreativer Behandlung für Menschen mit kognitivem Abbau.

Jutta Heppekausen ist Gründerin und Spielerin von „Blickwechsel – Playbacktheater Freiburg“, Akkreditierte Trainerin des Centres of Playbacktheatre (New York), Theaterpädagogin (Akademie Remscheid), Psychodramaleiterin (Ella Mae Shearon, DFP), M.A. in Supervision (DGSv), wissenschaftliche Mitarbeiterin Pädagogische Hochschule Freiburg, im Netzwerk Rassismuskritische Migrationspädagogik Baden-Württemberg, gemeinsam mit anderen auf der Suche danach, wie wir Möglichkeitsräume erkennen und nutzen kann, der Welt zumindest keinen weiteren Schaden zuzufügen.

Johannes Junker
Professor und Studiendekan für Theatertherapie,
Prodekan für Hochschulstudiengänge Künstlerische Therapien (HKT) in der Fakultät FLUS an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) University of Applied Sciences.

Carolyn Krüger
M.A. Art Psychotherapy, Goldsmiths University of London, Traumaspezifische und internationale Fortbildungen, Global Mental Health: Trauma and Recovery Course im Harvard Program in Refugee Trauma.
Mehrjährige Aufenthalte in Ghana, Nepal, Südafrika und England, Weiterbildungs- und Lehrtätigkeiten sowie psychosoziale Projekte mit traumatisierten und sozial benachteiligten Menschen im internationalen Raum, aktuelle Arbeit in Deutschland mit Geflüchteten und Überlebenden von Folter und Gewalt.

Henk Göbel ist Gründungsmitglied und Spieler der Berliner Playbacktheatergruppe „Die Spiegelneuronen“, Ausbildung in Schauspiel, Tanz und Gesang, (Berliner Schule für Bühnenkunst), Traumazentrierter Fachberater (DeGPT/BAG-TP), Theatertherapeut i.A, (DGfT), als Sozialarbeiter im Kontext sexualisierter Gewalt tätig, arbeitet mit geflüchteten Menschen im Bereich Kinderschutz, ehrenamtlicher Arbeit und hat Erfahrung in der Anwendung von Playbacktheater für Geflüchtete.

Ilil Land-Boss, M. A.: M. A. in Theaterwissenschaft, Anthropologie und Sprachwissenschaft, Drama- und Theatertherapeutin DGfT, HP Psychotherapie, Schauspielerin, Dozentin für Theater und Theaterpädagogik, Performerin und Regisseurin. Fortbildungen in systemischer Familienrekonstruktion, Tanztherapie, Trauma-Arbeit, Tanz- und Theaterpädagogik uvm. Lehraufträge und Vorträge (Akademie Remscheid, HMT Rostock, HKT Nürtingen, LVR, LWL Vlotho u. a.). Global Mental Health – Trauma and Refugee Certificate Program, Harvard Medical School. Aktuell Vorbereitung einer Promotion. Besondere Interessensschwerpunkte: Trauer-, Trance-, Übergangs- und Initiationsriten, Heilung in verschiedenen kulturellen Kontexten, Kontexte politischer Konflikte, kollektive Traumata.

Robert J. Landy, Ph.D. ist Professor für Educational Theatre und Angewandte Psychologie sowie Gründer und Leiter des Fachbereichs Dramatherapie an der New York University. An der NYU he innovated the therapeutic theatre series ‘As Performance’ mit einem Schwerpunkt auf den Einfluss von Ethnie, psychischer Krankheit, Behinderung, Sexualität und Gewalt auf Individuen und Kulturen. Dr. Landy ist einer der Gründungsväter der Dramatherapie sowie Therapeut, Theatermacher, Forscher, Autor und bildender Künstler und seine Werke beinhalten zahlreiche Bücher, Artikel, Lieder, Stücke, Filme und einen Blog in ‚Psychology Today‘.

Klaus Möller ist freier Schauspieler, Regisseur und Atemtherapeut in Tübingen.
Langjährige Erfahrungen als Ausbilder in der Theaterpädagogik und als Atem- und Achtsamkeitslehrer in klinischer Praxis, Lehrbeauftragter im Studiengang Theatertherapie an der Hochschule in Nürtingen.

Ryszard Nieoczym ist Gründer und künstlerischer Leiter des Theater- und Performance-Zentrums LeTHAL / Le Theatre de L’Homme Actor’s Laboratorium in Toronto. Er hat über 50 Theaterproduktionen in Europa, Canada und den USA inszeniert und über 40 Theaterstücke geschrieben. Er ist ehemaliger Schüler und Mitarbeiter von J. Grotowski.
Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Theaterforschung und in der Vertiefung der Kunst des Schauspielens, was er Soundings nennt (bedeutet übersetzt sowohl „tönen“ als auch »die Tiefen ausloten«). Seine Workshops für Schauspieler, Sprecher und Sänger finden regelmäßig in Thessaloniki, Berlin, Graz, Zagreb, Novy Sad, Ludwigsburg, Brüssel, Toronto, Quebec City, Montreal und Buck Lake statt. Jeden Sommer leitet er das internationale Projekt »Wilderness Canada«.

Susana Pendzik (PhD, RDT) ist Leiterin des MA-Studiengangs Drama Therapy am Tel Hai Academic College, Galiläa (Israel) und Dozentin an der Hebrew University, Jerusalem, am Dramatherapie-Bildungsinstitut, Schweiz und dem Institut für Theatertherapie, Berlin. Sie ist Registered Drama Therapist bei NADTA (North American Drama Therapy Association), Mitgründerin und Ehrenmitglied des Vereins Dramatherapie Schweiz und registrierte Supervisorin des I.C.E.T. (Israeli Association of Creative and Expressive Therapies). In Argentinien geboren, lebte Susana in Mexico, den USA und Israel und leitet weltweit Workshops. Sie ist Mutter, Dichterin, Regisseurin und Forscherin und schrieb zahlreiche Artikel zu Dramatherapie und ein Buch zu Action Techniques für missbrauchte Frauen (AG Spak, 1999) und war Mitherausgeberin von Assessment in Drama Therapy (Charles C. Thomas, 2012) und The Self in Performance (Palgrave Macmillan, 2017).